GREEN, Ohio (USA)Als die Techniklehrerin Paula Jameson und der Mathematiklehrer Jeff Basone ihren Schlern in der siebten Klasse an der Green Middle School die Aufgabe stellten, ein virtuelles Aquarium zu konzipieren, setzten sie auf den Reiz des Besonderen: Zum Auftakt des Projekts teilten die Lehrkrfte mit, dass sie ihre "Haustiere" - eigens adoptierte Meereslebewesen - in der Klasse vorstellen wrden.
Den Anfang machte Paula Jameson. Mit einem Computermikroskop zeigte sie den Schlern die "Sea-Monkeys" (Urzeitkrebse), die sie in den Tagen zuvor versorgt hatte. Dann bergab Paula Jameson an Jeff Basone, der, so erzhlte sie der Klasse, einen Barsch aus dem Eriesee adoptiert hatte. Die Schler blickten daraufhin neugierig in Richtung Korridor. Hier stand Jeff Basone und zgerte offenbar, sein Tier in die Klasse zu bringen. "Er druckste ein wenig herum", erinnert sich Jameson, "und kam schlielich mit einem toten Fisch herein, eingewickelt in Klebeband. Er erklrte der Klasse, dass er den Fisch bers Wochenende in einem Sandkasten untergebracht hatte." Die Schler lachten. Anschlieend wurde in der Klasse ber die von Basone fr den Fisch bereitgestellte Umgebung diskutiert. Unter anderem ging es dabei um mgliche Auswirkungen der Auentemperatur, da es vor kurzem geschneit hatte. Auch das Futter fr den Fisch kam zur Sprache. Paula Jameson dazu: "Als die Schler Jeff Basone fragten, was er dem Fisch gegeben hatte, kam die Antwort ,Schokolinsen'".
Nach dieser lustigen Einfhrung wurden die Schler in Gruppen eingeteilt. Jedes Team erhielt die Aufgabe, Informationen zu einem bestimmten Meereslebewesen zu sammeln, beispielsweise zu Teufelsrochen, Delfinen, Barrakudas, Rankenfukrebsen, Mantarochen, Guppys, Sea-Monkeys, Haien und Merlinen. Nach dem Recherchieren in Nachschlagewerken und im Internet sollte eine Datenbank mit grundlegenden Angaben darber entstehen, was der ausgewhlte Meeresbewohner zum berleben in einem virtuellen Aquarium bentigen wrde.
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Mit den Ergebnissen von Online-Recherchen und Feldforschung wurde eine Datenbank ber Meeresbewohner erstellt.
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Die Schler rechneten aus, wie viel es kosten wrde, die Grundbedrfnisse fr ihr Tier zu decken, und arbeiteten auf dieser Grundlage einen Business-Plan fr das virtuelle Aquarium aus. Mit Handheld-Computern und Tabellenkalkulationssoftware erstellten die Schler bersichten der notwenigen Materialien und der entstehenden Kosten. "Jede Arbeitsgruppe legte eine eigene Aufstellung der Gesamtkosten fr die Versorgung des Tiers in einer Woche an", erklrt Paula Jameson.
Das virtuelle Aquarium wurde als Privatunternehmen geplant, daher tauschten die Gruppen ihre berechneten Daten untereinander aus. Durch Kombination der einzelnen Elemente sollten die Gesamtkosten des Aquariumsbetriebs mit den insgesamt zehn Tieren ermittelt werden. Darauf aufbauend untersuchten die Schler, wie hoch der Eintrittspreis fr das Aquarium sein msste, um den laufenden Unterhalt zu decken. "Die Gruppen fhrten ihre Daten zusammen", beschreibt Jameson, "und erstellten daraus eine bersicht der Gesamtkosten des virtuellen Aquariums fr ein Jahr. Sie mussten bestimmen, wie teuer die Eintrittskarten sein sollten und wie viele zahlende Besucher kommen mssten, wenn 10 Prozent, 20 Prozent und 30 Prozent Gewinn angestrebt wrden."
Spter unternahmen die beiden Lehrkrfte gemeinsam mit den Schlern eine Exkursion zu einem nahe gelegenen Teich. Hier wurden mit speziellen, an die Handheld-Computer angeschlossenen Instrumenten Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Trbung des Teichwassers gemessen. Zu Vergleichszwecken untersuchten die Schler dieselben Faktoren auch fr Orangensaft, Milch und Mineralwasser. Paula Jameson gab diese Aufgabenstellung: "Ihr habt 45 Minuten Zeit, um Diagramme mit den durchschnittlichen Messwerten zu erstellen und zu erklren, warum das berleben fr den Fisch von Herrn Basone in Milch, Teichwasser, Mineralwasser oder Orangensaft mglich oder nicht mglich wre."
Nach der Exkursion verarbeiteten die Schler ihre Ergebnisse in einer Software-Prsentation. Zu den einzelnen Flssigkeiten mussten Grafiken erstellt werden; darber hinaus sollten Analysen zeigen, warum der Barsch in den jeweiligen Umgebungen berleben knnte oder sterben wrde. "Beispielsweise konnten die Schler sagen, dass der pH-Wert fr einen Barsch ungeeignet ist, weil statt 1,2 ein Wert von 6,5 erforderlich ist", so Jameson. Abschlieend wurden die Schler aufgefordert, eine Empfehlung fr eine geeignete Umgebung abzugeben, in der der Fisch von Jeff Basone berlebt htte.
Die Green Middle School liegt in einem kleinen Ort zwischen den Stdten Akron und Canton. 1.029 Schler unterschiedlicher sozialer Schichten besuchen die Schule. Vor einigen Jahren brachte man die technologische Ausstattung der Schule auf den neuesten Stand, wie Paula Jameson erlutert. In Klassenrumen berall im Gebude wurden Computer aufgestellt, denn "unserer Ansicht nach sind spezielle Computerrume nicht optimal fr Schler der Klassenstufen 6 bis 8. Wir meinen, dass stndiger Zugang zur Technologie erforderlich ist, daher wird alles direkt in den Klassenrumen zur Verfgung gestellt."
Whrend des gesamten Projekts zum virtuellen Aquarium zeigten die Schler groes Engagement. Sie haben viel gelernt und hatten sogar Spa dabei. Paula Jameson erinnert sich an die Sticheleien der Sea-Monkey-Gruppe gegenber der Delfin-Gruppe, als diese ihre geplanten Ausgaben prsentierte. "Und das Guppy-Team bot dem Sea-Monkey-Team ein Geschft an, da Guppys die Urzeitkrebse fressen."