Kindern die besten Voraussetzungen für ein glückliches und erfolgreiches Leben zu bieten, ist eine große Aufgabe. Insbesondere die Entscheidung für die richtige Schule und die Wahl eines passenden Ausbildungs- und/oder Studienplatzes stellen Weichen für die Zukunft: Kinder und Jugendliche sollen bestmöglich auf die Anforderungen des Erwachsenen- bzw. Berufslebens im 21. Jahrhundert vorbereitet werden. In den meisten Firmen – den zukünftigen Arbeitsplätzen der Kinder – werden moderne Computertechnologien täglich genutzt. Entsprechende Fähig- und Fertigkeiten werden heutzutage entweder vorausgesetzt oder können zumindest zum eigenen (beruflichen) Vorteil eingesetzt werden. Ganz egal, ob ein Schulabgänger erfolgreich in einen Handwerksberuf oder ins Studium einsteigen möchte. Dennoch spielt dieses Thema in bundesdeutschen Schulen mehrheitlich noch keine Rolle. Einen wichtigen Schritt in Richtung „Lernen im und für das 21. Jahrhundert“ gehen so genannte Notebookklassen in ganz Deutschland. Dort sind mobile Personal Computer regelmäßig im Unterrichtseinsatz und fördern mit fachlicher und pädagogischer Unterstützung den sinnvollen Umgang mit PC und Internet, statt diese aus dem Schulalltag auszugrenzen.
Ab welcher Jahrgangsstufe beginnen Notebookklassen?
Ab welcher Jahrgangsstufe Notebookklassen beginnen und auf wie viele Jahre diese angelegt sind, liegt im Ermessen der jeweiligen Schulen. Die Stadt Unna (UNIT21) bietet beispielsweise schon ab der 1. Klasse Notebookklassen an. Notebookklassen finden sich derzeit in allen Schularten. Je nach Größe der Lernwerkzeuge (Classmate PCs oder Notebooks) kann ein Einstieg bereits im Grundschulalter oder auch im Verlauf des Besuchs einer weiterführenden Schule erfolgen.
Wie muss ich mir eine Notebookklasse vorstellen?
Jedem Kind steht ein eigenes Notebook zur Verfügung. Die Notebooks werden täglich im Unterricht sowie zur Vor- und Nachbereitung zu Hause eingesetzt. Ein Standard-Notebookklassenzimmer ist mit einem Lehrernotebook, einem Datenprojektor (Beamer), eventuell interaktivem Whiteboard (eine weiße digitale „Tafel“, die zusätzlich mit einem „Lehrnotebook“ verbunden ist und es ermöglicht, zusammen mit einem Beamer und speziellen Stiften, multimediale Inhalte interaktiv wiederzugeben) und einem Drucker ausgestattet. Die einzelnen Rechner sind über ein kabelgebundenes oder drahtloses Netzwerk (LAN oder WLAN) verbunden und verfügen über einen Internetzugang. Ein Jugendschutzfilter an den Schulen trägt dazu bei, den Zugriff auf unerwünschte Internetinhalte zu vermeiden.
Notebookklassen sind in geeignete pädagogische Lern- und Lehrumgebungen integriert, die für die Schüler/innen auch außerhalb der Schulzeiten von zu Hause aus über das Internet erreichbar sind. Über diese, vor unbefugtem Zugriff geschützten, Lernplattformen können die Schüler miteinander kommunizieren und in der Gruppe lernen. Auch individuelle Nachhilfe durch eine Lehrkraft sowie eine effizientere Lehrer/Eltern Kommunikation werden so leichter möglich.
Alle Notebookschüler müssen Regeln zur Nutzung ihrer Notebooks beachten. Diese werden von der Schule aufgestellt und betreffen etwa zulässige Daten und Programme, Sicherheitsvorkehrungen sowie den Datenaustausch. Zudem findet eine Sensibilisierung der Schüler im Umgang mit Informationen aus dem Internet statt. Diese bezieht sich auf die Kennzeichnung von aus dem Internet entnommenen Inhalten sowie den Umgang mit fragwürdigen Inhalten.
Wie das Gerät im Fachunterricht eingesetzt wird, entscheiden die Lehrkräfte der jeweiligen Fächer. So gibt es Notebookklassen für Deutsch, Mathematik, Physik, Biologie und moderne Fremdsprachen. Aber auch für sozialwissenschaftliche Fächer wie Sozialkunde, Geschichte oder Wirtschaftswissenschaften stellen das Internet und Übungsaufgaben ideale Mittel für schulisches Lernen dar, die aktueller sowie umfassender sein können als jedes Lehrbuch. Das Notebook fungiert als „Heft“, ist Übungsplattform und Ordner für Arbeitsblätter und Materialien. Zudem dient es der Informationsrecherche im Internet. Mittels Datenprojektor kann der Bildschirminhalt der Notebooks an die Wand projiziert werden. Die Geräte werden dabei nicht „generell rund um die Uhr“, sondern abhängig von Jahrgangsstufe, Unterrichtssituation sowie den zu vermittelnden Lehrinhalten dann eingesetzt, wenn sie einen echten Mehrwert zu bieten haben. Während etwa im herkömmlichen Unterricht ein Schüler vorne „an der Tafel steht“ und eine Mathematikaufgabe löst, tun dies mit ihrem Notebook alle Schüler gleichzeitig. Die jeweiligen Ergebnisse können im Anschluss für alle sichtbar zur Besprechung an die Wand geworfen werden. Zudem hat der Lehrer Zugriff auf das Notebook jedes Schülers und kann während der Übungseinheiten individuelle Tipps geben und gegebenenfalls korrigierend eingreifen.
Grundsätzlich kann der Unterricht mittels Notebooks besonders abwechslungsreich gestaltet werden, da Notebooks als Unterrichtsmedium und als Lernwerkzeug etliche klassische Medien in einem Gerät vereinen (Fernseher, CD-Spieler, Kamera, Lehrbuch, Lexikon, Übungsheft, Karteikarten etc.). Darüber hinaus ermöglichen diese für die Schüler jederzeit zugänglichen Medien ein interaktives Lernen (die Wahl des Unterrichtsmediums wird in Notebookklassen nicht ausschließlich vom Lehrer vorgegeben, sondern die Schüler selbst entscheiden, welche Medien innerhalb des Notebooks bzw. reale Medien sie für welche Aufgabe verwenden). Die Geräte eignen sich besonders dazu, sich jederzeit aktuelle Informationen zu beschaffen, die Schüler neugierig zu machen, zu motivieren und vor allem den Schülern Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übertragen. Durch Kommunikation und Interaktion im Klassenzimmer wird das Lernen von den Schülern zunehmend als aktiver Prozess wahrgenommen.
Schüler lernen unterschiedliche Informationsmöglichkeiten sowie Methoden zur Informationsbeschaffung und -verarbeitung kennen. In der eigenen Auseinandersetzung mit den Lerninhalten sowie einer aktiven Kommunikation über zu lösende Probleme mit Schülern der Lerngruppe werden Strategien und Kompetenzen ausgebildet. Dies sind Erfahrungen, die später in Beruf und/oder Studium wesentlich zum Erfolg beitragen können.
Notebook-Schüler greifen auf verschiedene Lernplattformen zu und können so genannte virtuelle Klassenzimmer besuchen. Bei Letzteren handelt es sich um Lehrmaterialien, die auf dem zentralen Rechner (Server) der eigenen oder anderer Schulen oder Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Diese können von den Schülern zu Informations- und Übungszwecken jederzeit genutzt werden. Beispielsweise findet man in einem „Klassenzimmer“ einer Hauptschuljahrgangsstufe 7 Material, das speziell deren Wissensniveau entspricht. Und dies in weitaus vielfältigerer Ausprägung als es herkömmliche Schulbücher in gedruckter Form bieten könnten. So werden etwa zu einem bestimmten Thema die unterschiedlichsten Übungseinheiten angeboten. Schüler können somit nach ihren Interessen, aber auch ihrem Wissenstand und Leistungsvermögen entsprechend üben – beispielsweise indem sie unterschiedliche Schwierigkeitsgrade der Aufgaben wählen. Durch das Standardschulprogramm bislang gelegentlich über- oder unterforderte Schüler haben somit die Chance auf ein individuelles und motivierendes Lernen. Die Schüler können sowohl in Einzelarbeit auf diese Übungen zurückgreifen und erhalten unmittelbar nach Lösen der Aufgabe ein automatisches Feedback. Zudem können sie in klassen- und fächerspezifischen Online Foren ihre eigenen Lösungen mit denen ihrer Mitschüler abgleichen bzw. Lösungswege diskutieren. Eine Betreuung durch Fachlehrer oder Schülertutoren hat sich bei dieser Form des Lernens am Nachmittag in Notebookklassen gut bewährt. Siehe auch www.digitale-schule-bayern.de.
Notebookklassen tragen erfahrungsgemäß wesentlich zur Verbesserung des Klassenklimas bei, da die Schüler in einem aktiveren und engeren Austausch während des Unterrichts stehen als dies in vielen herkömmlichen Klassen der Fall ist. Zudem werden Schüler, die Kompetenzen im Bereich der Technik haben, auch für fachspezifische Inhalte interessiert, da sie sich über ihr technisches Wissen an fachliches Wissen annähern. Des Weiteren wird fächerübergreifend viel in Projekten gearbeitet, wobei Teamgeist besonders gefragt ist. So wird ganz selbstverständlich eine der Schlüsselqualifikationen für unser gesellschaftliches Zusammenleben auf- und ausgebaut. Schüler können sich gegenseitig auch nach dem Unterricht besser helfen, unter anderem durch die Möglichkeit des Austauschs über eine Internet basierte Lernplattform.
Welche Ziele haben Notebookklassen?
Moderne Ausbildung - Vorbereitung auf Studium und/oder Berufswelt – Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt:
Der Einsatz der Notebooks ermöglicht es, Medien- und weitere überfachliche Kompetenzen zu vermitteln, die beim Einstieg ins Studium oder bei Ausbildungsbeginn oftmals vorausgesetzt werden, zumindest aber einen persönlichen Vorteil verschaffen können. Bereits in der Schule wird gelernt, wie im Rahmen von Arbeitsprozessen mit Hilfe digitaler Technologien bestimmte Probleme gelöst werden können.
Verwirklichung einer modernen Lernkultur – Förderung der Selbstständigkeit der Schüler: Notebooks erleichtern es, eigenaktives, kooperatives und konstruierendes Lernen zu realisieren. Das Ergebnis sind eine höhere Motivation und mehr Freude am Lernen.
Aufbau einer kritischen Medienkompetenz: Schüler/innen werden in Zusammenarbeit mit ihren Eltern sowohl über das Potenzial und die Nutzungsmöglichkeiten digitaler und mobiler Medien informiert als auch für deren Gefahren sensibilisiert. Den vielfach in den Medien diskutierten negativen Auswirkungen einer intensiven und nicht begleiteten PC- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen kann somit vorgebeugt werden.
Was haben Kinder vom Besuch einer Notebookklasse?
Die Notebooks unterstützen eigenaktives und kreatives Lernen - der Lehrer fungiert mehr als Moderator und Coach und weniger als „Pauker“, der vorgegebene Botschaften vermittelt. Dadurch wird in der Regel die Lernbereitschaft und Motivation der Schüler gesteigert.
Schüler/innen lernen das eigenständige Lernen mit zahlreichen unterschiedlichen Medien und Methoden.
Schüler/innen können besser ihren Neigungen und ihrem Wissensstand entsprechend individuell gefördert werden. Das Schulbuch einer Jahrgangsstufe ist auf den dazugehörigen Lernstoff beschränkt. Hat ein Schüler jedoch beispielsweise Nachholbedarf aus der letzten Klasse, bieten gut gestaltete Lernplattformen Übungen, die sich nicht nur auf die Jahrgangsstufe konzentrieren, sondern sich am Wissensstand des Schülers orientieren.
Lernen wird zeit- und ortsunabhängig. Die Schüler können sich auch zuhause oder im Urlaub via Internet austauschen, sich gegenseitig helfen und auf Lerninhalte zugreifen. Die Unterstützung durch die Lehrkraft außerhalb der Schule – etwa wenn ein Schüler erkrankt ist - wird via Internet problemlos möglich.
Schüler/innen lernen eigenverantwortlicher zu entscheiden und zu handeln.
Das generelle Interesse für Informationstechnologie wird geweckt oder gesteigert. Gleichzeitig wird frühzeitig ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationstechnologie vermittelt.
Schüler/innen werden auf Anforderungen in Studium und/oder Berufsleben besser vorbereitet.
Benötigen Kinder Vorkenntnisse, um eine Notebookklasse zu besuchen?
Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Viele Schulen bieten Einführungskurse zu PC und 10-Fingersystem, Internetnutzung und der Anwendung von Standardprogrammen an. Vieles lernt sich im täglichen Umgang mit dem Rechner. Aber auch Computer-erfahrene Mitschüler und Tutoren stehen in der Regel gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Was kostet der Besuch einer Notebookklasse?
Je nachdem, ob das Kind mit einem Classmate PC oder einem Notebook lernt, belaufen sich die Kosten ca. zwischen 300 und 1000 Euro. Diese Kosten werden derzeit meist von den Eltern getragen, wobei attraktive Finanzierungs- oder Leasingmodelle mit nur geringem monatlichem Kostenaufwand (ab ca. €10 für einen Classmate PC; bei Notebooks ab ca. €25 pro Monat) existieren. Zudem werden die Projekte oftmals durch Sozialfonds, Sponsoren oder Fördervereine unterstützt. Die Organisation/Beschaffung der Notebooks und der notwendigen Software übernimmt zumeist die Schule.
Schulen informieren in der Regel sehr frühzeitig über die Teilnahmemöglichkeiten an Notebookklassen ab einer bestimmten Jahrgangsstufe, so dass unterschiedliche Finanzierungsarten rechtzeitig in Betracht gezogen werden können.
Welche Schulen bieten bereits Notebookklassen an?
Welche Schulen bereits Notebookklassen anbieten kann bei den Kultusministerien der jeweiligen Länder erfragt werden.
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