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Die Intel Geschichte

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Die Intel Geschichte

Im Verlauf von nur drei Jahrzehnten entwickelte sich ein kalifornisches Jungunternehmen zum größten Halbleiterhersteller der Welt. Heute, 31 Jahre nach der Firmengründung, beschäftigt der international aktive Chipgigant über 64 000 Mitarbeiter, die im Geschäftsjahr 1998 einen Umsatz von 26,3 Milliarden US-Dollar erarbeiteten. Intels Werdegang beeinflußte maßgeblich die moderne Computer-Technologie. Intel nahm damit großen Einfluß auf den globalen technischen Fortschritt, revolutionierte durch die Erfindung des Mikroprozessors die Arbeitswelt und verbesserte nicht zuletzt die Lebensqualität von Milliarden von Menschen. Intel zählt zu den maßgeblichen Unternehmen, die das Tor zum Informationszeitalter aufgestoßen haben. Doch in Intels Entwicklungsgeschichte regierte nicht nur kühle Technologie. Vielmehr wurde der vielschichtige Entwicklungsprozeß dieses Unternehmens in erster Linie beeinflußt durch kühne Ideen und mutige, hochmotivierte Menschen. So prägen in der Tat verdiente Erfolge, aber auch glückliche Umstände und nicht zuletzt bittere, unvermutete Niederlagen die Geschichte der Intel Corporation aus dem kalifornischen Santa Clara.

1. Ein Neubeginn aus Frustration
2. Der Start mit Speicherchips
3. Intel als Aktiengesellschaft
4. Unkonventionelle Menschen schaffen eine neue Unternehmenskultur
5. Eine zufällige Entdeckung: das erste EPROM
6. Eine geniale Idee in Silizium geätzt: Der erste Mikroprozessor
7. Wozu kann ein Mikroprozessor nützlich sein?
8. Der große Durchbruch auf den Erfolgswogen des IBM PC
9. Intel wird international
10. Ein neues Rezept zur Steigerung der Produktivität
11. Eine “Spielwiese” für junge Talente mit verrückten Ideen
12. Eine neue Lizensierungs-Politik
13. Der Weg zum Markenartikler
14. Intel intern: eine Bank und eine Anwaltskanzlei
15. Der Pentium® Prozessor und seine Nachfolger
16. Im Zeitalter von Netzwerken, Multimedia und der Bildkommunikation
17. Intels Zukunft


1. Ein Neubeginn aus Frustration

Am 18. Juli 1968 gründeten Gordon E. Moore und Robert W. Noyce im kalifornischen Mountain View die Intel Corporation. INTEL steht für INTegrated ELectronics.

Die beiden Intel Gründer waren bereits Veteranen im Halbleitergeschäft. Zehn Jahre zuvor hatten sie zusammen mit sechs anderen Kollegen Fairchild Semiconductor gegründet. Das Unternehmen war damals der größte Halbleiterhersteller der Welt. Robert Noyce war General Manager von Fairchild Semiconductor, Gordon Moore Leiter der Forschung und Entwicklung. Moores Stellvertreter hieß Andrew S. Grove.

Noyce und Moore waren unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber Fairchild. In weniger als einem Jahr hatte der Aufsichtsrat von Fairchild Semiconductor dreimal den Vorstandsvorsitzenden ausgetauscht. Noyce schrieb deshalb seine Kündigung. Immer seltener wurden von Moore entwickelte Produkte auch tatsächlich produziert. Dabei stand die Elektronik damals an einer großen Wende: Von der voluminösen und langsamen Kernspeichertech-nologie (magnetisierbare Eisenringe, aufgehängt in einem Leitungsgeflecht, speicherten die Informations-Bits) ging der Trend zur kompakten und schnellen Halbleiter-Technologie mit integrierten Schaltungen (Transistoren), die in den Halbleiter-Grundstoff Silizium geätzt wurden.

Auf dem Höhepunkt ihrer Frustration waren Moore und Noyce 41 Jahre alt. Die Idee zu einer zweiten Firmengründung entstand an einem Frühlingswochenende des Jahres 1968. Moore traf Noyce vor dessen Haus beim Rasenmähen. Noyce gab den entscheidenden Impuls. Er wollte das von ihm entwickelte photochemische Verfahren zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen, die MOS-Technologie (Metal Oxid Semiconductor), zum Durchbruch bringen. MOS bezeichnet die grundlegenden Schichten im Aufbau eines Transistors nach dieser Technologie: Metall als elektrisch lei-tendes Material, Siliziumoxid als elektrisch nicht leitendes Material und Silizium als Halbleiter.

Noyce ist der Erfinder dieser heute noch maßgeblichen Technologie für die Chip-Produktion. Er hatte auch großen Anteil an der Entdeckung des Transistor-Effekts und der Erfindung des Integrierten Schaltkreises, dem die heutige Elektronik ihre unvorstellbare Leistungsstärke verdankt.

Als Halbleiter-Pionier war Gordon Moore davon überzeugt, daß die damals noch vorherrschende Magnetkern-Speichertechnologie alsbald von hochintegrierten Transistorschaltungen auf Silizium abgelöst werden würde. Größtes Hindernis waren die Kosten: Das preiswerteste Speicherelement auf Halbleiterbasis war pro Speicher-Bit mehr als 100mal teurer als die traditionelle Magnetkern-Technik.

"Wir waren jung und selbstbewußt genug, um in voller Unabhängigkeit unseren neuen Weg zu gehen", so erinnerte sich Bob Noyce 20 Jahre später an die Entscheidung, Intel zu gründen. Kurz nach der Unternehmensgründung stieß auch Andrew S. Grove, ein Exilungar, den es nach Kalifornien verschlagen hatte, zu dem Jungunternehmen. Grove war 1963, gleich nach Abschluß seiner Promotion in Chemie an der University of California in Berkeley, zu Fairchild Semiconductor gegangen. Als"Produktionschef" wurde Grove der erste "leitende Angestellte" der neu gegründeten Intel Corporation mit Sitz im kalifornischen Mountain View. Hier hatten die Intel Gründer ein kleines, von Union Carbide Electronics aufgegebenes Gebäude übernommen.

Andrew (Andy) Grove stellte die Weichen, daß aus Intel ein weltbekannter Markenname wurde. Vom Produktionsleiter eines Jungunternehmens, das anfangs zwölf Mitarbeiter beschäftigte und im Gründungsjahr 1968 einen Umsatz von 2 672 Dollar verbuchte, stieg Grove 1987 im Alter von 50 Jahren zum Intel President und Chief Executive Officer auf. Dem weltweit respektierten Genius von Grove ist es zu verdanken, daß aus Intel der größte Halbleiterhersteller der Welt werden konnte, der im letzten Geschäftsjahr 1998 mit über 64 000 Mitarbeitern über 26 Milliarden Dollar umsetze.

2. Der Start mit Speicherchips

Intel startete mit einem Geschäftsplan, der aus einer einzigen, mit der Schreibmaschine beschriebenen Seite bestand. Doch er enthielt eine genaue Zielvorgabe: Arbeitsspeicher für Computer auf Halbleiterbasis zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Die Hochintegration (Very Large Scale Integration; VLSI) von Transistoren auf Silizium steckte im Jahr 1968 noch in den Kinderschuhen.

Den Management-Enttäuschungen bei Fairchild folgten alsbald die MOS-Probleme bei Intel. "Ich war felsenfest davon überzeugt, daß wir einen Reinfall erleben", erinnert sich Andy Grove. Im September 1968 verwettete er im Kollegenkreis eine Flasche Cognac der Nobelmarke Napoleon, wenn es bis zum bevorstehenden Erntedank einen stabilen MOS-Transistor gäbe, dessen Schwellenspannung um weniger als ein Zehntel Volt schwanken würde. Man wußte lediglich, daß die Probleme auf Unreinheiten in der Verfahrenstechnik zurückzuführen waren. Und man wußte auch, daß in der angemieteten Fabrik nicht einmal destilliertes Wasser zur Verfügung stand. Zunächst schleppte der Prozeß-Ingenieur Tom Rowe destilliertes Wasser in Flaschen herbei. Dann kam er auf die Idee, dem MOS-Prozeß etwas geschmolzenen Phosphor hinzuzufügen, gleichsam zur "Desinfektion". Damit war, mehr oder minder zufällig, das Produktionsproblem gelöst; Grove hatte seine Wette verloren.

Als Unternehmen startete Intel zwar mit dem MOS-Prozeß, versteifte sich aber nicht allein auf diese Technologie, sondern entwickelte als ersten Speicherbaustein ein bipolares 64-bit-Schottky-RAM (Random Access Memory). Es wurde im April 1969 unter der Produktbezeichnung Intel 3101 vorgestellt. Noyce und Moore hatten die Bipolar-Technologie des deutschen Halbleiter-Pioniers Walter Schottky kennengelernt, als sie gemeinsam (vor ihrem Engagement bei Fairchild) im Shockley Semiconductor Laboratory des amerikanischen Halbleiter-Gurus William Shockley beschäftigt waren. Das Shockley-Labor im kalifornischen Palo Alto gilt als die erste kommerzielle Halbleiterfabrik der Welt.

Einen Durchbruch in der bahnbrechenden MOS-Technologie erwartete Gordon Moore nach den Anfangsschwierigkeiten erst in fünf Jahren. Aber bereits drei Monate nach der Vorstellung des ersten elektronischen Speicherchips auf Halbleiterbasis und gut ein Jahr nach der Firmengründung folgte mit dem Intel 1101 - als statisches RAM - der erste MOS-Baustein der Welt. Während der ersten Mondlandung von Apollo 11 im Juli 1969 arbeitete die kleine Intel Mannschaft rund um die Uhr am letzten Redesign dieses Chips.

Als Produkt war der erste MOS-Speicherbaustein zwar bedeutungslos. Aber von der Durchschlagskraft der MOS-Technologie waren Moore und seine Mannschaft jetzt überzeugt. Bei der MOS-Technologie wird die metallische Steuerelektrode (das sogenannte Gate) durch eine Isolierschicht aus Siliziumdioxid vom halbleitenden Grundmaterial (zumeist ein Siliziumeinkristall) getrennt. Im Gegensatz zur Bipolar-Technik versprach der MOS-Prozeß hohe Speichervolumina zu realistischen Kosten bei einem angemessenen Energieverbrauch, der zu einer akzeptablen Wärmeabgabe führte. Unerwünschte Wärme erforderte Kühlaggregate. Die aber standen der Miniaturisierung der Mikroelektronik im Wege.

Im Oktober 1970, in der Hälfte der ursprünglich veranschlagten Zeit, gelang der erste große Sprung nach vorn. Intel stellt unter der Produktbezeichnung 1103 den ersten DRAM (Dynamic Random Access Mem-ory)-Speicherbaustein vor, der auf dem MOS-Prozeß basierte und die Vorzüge der Hochintegration zu bieten hatte. Während der Bipolar-Prozeß nur noch bei Hochgeschwindigkeits-Bauteilen den Vorzug genoß, entwickelte sich fortan die Metal-Oxid-Semiconductor-Technologie zur bevorzugten Halbleiter-Fertigungstechnik.

Doch dieser Durchbruch war verbunden mit einem kommerziellen Schock: "Für unseren ersten Auftrag erzielten wir etwa ein Drittel des Preises, den wir uns vorgestellt hatten", so erinnert sich Les Vadasz, damals verantwortlich für das kaufmännische Management, an das Drama mit dem 1103-DRAM. Der kalkulierte Preis war am Markt nicht zu erzielen. So lernte das noch junge Unternehmen eine ebenso branchentypische wie existenzentscheidende Lektion: die fortlaufende Kostensenkung.

Dennoch: Der erste dynamische Speicherchip der Welt vollbrachte ein kleines Wunder. Er deklassierte, nicht zuletzt aufgrund seiner überragenden Leistung und seines minimalen Platzbedarfs, den bis dahin traditionellen Magnetkern-Speicher zu altem Eisen. Knapp anderthalb Jahre nach der Markteinführung war der 1103 der meistverkaufte Halbleiterbaustein der Welt. Dank dieses ersten Erfolgs stieg der Intel Umsatz von 4,2 Millionen Dollar im Jahr 1970 auf 9,4 Millionen Dollar im Folgejahr.

Als weitsichtiger Integrations-Stratege hatte Gordon Moore schon 1965 einen Trend erkannt, der später als das Moore`sche Gesetz nicht nur die Geschichte von Intel, sondern die Entwicklung der gesamten Hochtechnologie maßgeblich geprägt hat. Das Gesetz lautet: "Die Dichte der integrierten Schaltungen verdoppelt sich alle 24 Monate." Mit welchen Auswirkungen, das verdeutlicht die Interpretation dieses Gesetzes als das "Kannibal-ismus-Prinzip der Elektronik". In Moores Worten hört sich die Erklärung so an: "Die Halbleitertechnologie ist darauf aus, ihre Vergangenheit aufzufressen. Was zuvor als diskrete Einzelbausteine eine Existenzberechtigung hatte, wird gnadenlos durch die Integration auf einen einzigen Chip verschlungen." Oder kaufmännisch gedacht: Der technologische Fortschritt bescherte seinen Nutznießern alle 24 Monate die doppelte Leistung zum gleichen Preis.

3. Intel als Aktiengesellschaft

Im Oktober 1971, dreieinhalb Jahre nach der Unternehmensgründung, ging die Intel Corporation an die amerikanische Börse für Jungunternehmen. Das ist der unkonventionelle OTC (Over-The-Counter)-Market, den die US-Aktienhändler-Organisation NASDAQ heute im Rahmen eines bundesweiten Netzwerks als Computerbörse betreibt. Obwohl längst reif für die klassische New York Stock Exchange an der Wall Street, blieb Intel (wie auch Apple, Microsoft oder MCI) bis heute der elektronischen NASDAQ-Börse treu.

Der Gang zur Börse ist das Ziel nahezu aller amerikanischen Jungunternehmen. Die Unternehmensgründer wie auch die leitenden Mitarbeiter der ersten Stunde kaufen beim Gründungsakt zumeist für den Bruchteil eines Cents aus einem imaginären Vorrat von einigen zig-Millionen Aktien (Common Stock) hohe Stückzahlen für sich auf und zahlen dafür üblicherweise nicht mehr als eine Handvoll Dollar. An fremde Kapitalgeber, die in Venture Capital (Wagniskapital) investieren wollen, werden die Aktien wesentlich teurer weiterverkauft. So bekommen Unternehmensgründer Startkapital an die Hand, ohne sich verschulden zu müssen.

Kapitalgeber wie auch die Aktionäre aus dem Unternehmen arbeiten fortan auf den Tag zu, an dem das Jungunternehmen mit reifen, marktfähigen Produkten im Rücken an die Börse oder public gehen kann. Denn das Börsenpublikum zahlt bei entsprechend hohen Erwartungen an den Börsenneuling einen entsprechend hohen Preis für dessen Aktien. Intel verlangte und bekam im Oktober 1971 den stolzen Preis von 23,50 Dollar pro Aktie. Das Unternehmen verkaufte dem breiten Publikum aus dem Common Stock knapp 300 000 Aktien. Intel flossen durch diesen Aktienverkauf 6,8 Millionen Dollar zu. Das Eigenkapital der Firmengründer und das Wagniskapital der fremden Investoren war mit dem Initial Public Offer handelbar geworden und hatte sich - gemessen am aktuellen Börsenkurs - binnen kurzem vervielfacht.

Die beiden Firmengründer Noyce und Moore hatten je ein Startkapital von 245 000 Dollar eingebracht. Arthur Rock, der damals schon berühmte Venture Capitalist, der bis dahin bereits Fairchild Semiconductor, Teledyne und Scientific Data Systems mit Wagniskapital versorgt hatte, beteiligte sich privat mit 10 000 Dollar an Intel und akquirierte bei seiner Klientel weitere 4,7 Millionen Dollar. Zu den Investoren zählte auch das Grinnell College in Iowa, an dem Robert Noyce studiert hatte. Es war bei Intel mit 300 000 Dollar eingestiegen. Bereits wenige Jahre später konnte sich dieses College rühmen, eine der wohlhabendsten Hochschulen Amerikas zu sein.

Denn der Aktienkurs der Intel Corporation erstürmte einen Kursgipfel nach dem anderen. Bereits im April 1973, nicht einmal zwei Jahre nach dem Gang zur Börse, war die Aktie reif für ein sogenanntes Splitting. Für eine Aktie erhielt ein Intel Aktionär drei weitere dazu. Der Aktienkurs wurde auf ein Drittel reduziert - damit er einen neuen Anlauf nach oben nehmen konnte. Wie lukrativ Aktiensplits für den Investor sein können, zeigt die Intel Vergangenheit mit ihren bislang 12 Splits: Wer beispielsweise am Tag der Börseneinführung 100 Aktien geordert und bis heute behalten hat, besaß am 11. April 1998, dem Tag des letzten Aktien-Splittings, immerhin 60 757 Intel Aktien. Somit hat das Anfangsinvestment von 2 350 Dollar 29 Jahre später einen Wert von rund 5,1 Millionen US-Dollar.

Auch der Monat mit dem ersten Aktiensplit bleibt den Intel Mitarbeitern der ersten Stunde unvergeßlich. Denn im April des Jahres 1973 führte Intel als erstes Halbleiter-Unternehmen bei den Beschäftigten in der Chip-Produktion die bis dahin höchste Stufe der Reinlichkeit ein - die Bunny Suits. Hierbei handelt es sich um weiße, einteilige Anzüge (für Männer wie für Frauen) mit speziellen Schuhen, Handschuhen und Kopfbedeckungen. Diese Schutzkleidung sollte maßgeblich zu einer staubarmen Atmosphäre beitragen. Intel hatte mittlerweile seine Lektion über den schädlichen Einfluß von Kontaminationen auf die hochpräzise Halbleiter-Produktion gelernt. Das High-Tech-Unternehmen scheute sich fortan nicht, zugunsten einer genauen Partikelkontrolle in der Reinraumluft den Halbleiter-Fabriken sogar eigene Wäschereien für die Arbeitskleidung anzugliedern.

4. Unkonventionelle Menschen schaffen eine neuartige Unternehmenskultur

Früh schon wurden die Intel Mitarbeiter am Börsenerfolg ihres Unternehmens beteiligt. Im Dezember 1972 trat ein Stock Participation Plan in Kraft, nach dem qualifizierte Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten Intel Aktien zu 85 Prozent des jeweiligen Marktwertes kaufen konnten. Wer damals zum Vorzugspreis von 20,82 Dollar für zehn Intel Aktien 208,20 Dollar ausgab, besaß aufgrund von Kurssteigerungen und Aktiensplits zwölf Jahre später 252 Aktien, die einem Wert von 7 056 Dollar entsprachen. Wiederum zwölf Jahre später ergibt das Miniportfolio von zehn Intel Aktien, erworben im Jahr 1972, ein Vermögen von rund 120 000 Dollar. Heute repräsentieren die zehn Intel Aktien der ersten Stunde ein Vermögen von etwa einer halben Million US-Dollar.

Intel legt großen Wert darauf, daß sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen und seinen anspruchsvollen Zielen identifizieren. Die meisten Intel Mitarbeiter fühlen sich in ihrem Arbeitsumfeld so wohl, daß für sie über viele Jahre und Jahrzehnte ein Unternehmenswechsel nicht in Betracht kommt. So ist die Fluktuation für ein auf Wachstum ausgerichtetes High-Tech-Unternehmen erstaunlich gering. Das ist auch kein Wunder. Denn seit Anbeginn herrscht bei Intel eine - sogar für amerikanische Verhältnisse - ungewöhnlich offene und unkonventionelle Unternehmenskultur. Dafür sorgten nicht zuletzt die Firmengründer Bob Noyce und Gordon Moore. Sie hatten die altmodische, hierarchisch verkrustete Managementstruktur von Fairchild verabscheut. Statt auf Autorität setzten die beiden Intel Gründer auf Kooperation, Gemeinschafts- und Unternehmungsgeist. „Im Unternehmen war allen stets bewußt: Entweder wir sind gemeinsam erfolgreich oder wir scheitern gemeinsam", so brachte Noyce in einem Zeitungsinterview seine Prinzipien der Menschenführung und -behandlung auf den Punkt.

In der Halbzeit eines Football-Matches kam Bob Reed die Idee, die Grundzüge dieser damals noch ziemlich ungewöhnlichen Unternehmenskultur aufzuschreiben. „Ich konnte unsere Grundsätze und unser Selbstverständnis schnell aufschreiben, weil sie mir ganz einfach in Fleisch und Blut übergegangen waren", so berichtet der damalige Senior Vice President und General Manager der Halbleiter-Produktgruppe aus den Anfangsjahren. Er „brachte einfach nur zu Papier, was sich wie von selbst etabliert hatte".

Statussymbole haben, seit Anbeginn bis heute, bei Intel keine Bedeutung. Das Büro von Intel President und Chief Executive Officer (CEO) Dr. Craig Barrett unterscheidet sich nicht von allen anderen Büroarbeitsplätzen. Im Mai 1998 war der langjährige Intel Manager Barrett zur Management-Spitze aufgerückt und hatte Andrew Grove auf dessen eigenen Wunsch hin abgelöst. Als Chairmen of The Board widmet sich der 63-jährige Grove in erster Linie strategischen Fragen. Auch Grove ist weiterhin in einem sogenannten Cubicle aus Stellwänden für Großraumbüros anzutreffen, und zwar dort, wo die Betriebsamkeit am größten ist, im fünften Stock. Auf die übliche Bewegungsfreiheit in einem Chefbüro muß er verzichten. Die einzige Bevorzugung, die er genießt, ist ein grandioser Ausblick - auf den Parkplatz. So lebt das Top-Management den Beschäftigten vor, daß man bei Intel nur aufgrund seiner Fähigkeiten Achtung und Respekt genießt, nicht aber wegen seiner Position.

„Jeder kann seinem Chef sagen, er mache etwas falsch", so vermied Bob Noyce von Anbeginn, daß hierarchische Barrieren den offenen Meinungsaustausch blockierten. Selbst Grove mußte sich als Intel Chef gefallen lassen, daß ihm einfache Mitarbeiter die Frage stellten, ob er im Wettbewerb gegenüber den Intel Konkurrenten die richtige Strategie eingeschlagen habe. Andererseits können sich die Mitarbeiter nach wie vor auf den von Grove geprägten Grundsatz verlassen: „Es ist wünschenswert, richtige Entscheidungen zu treffen. Aber auch eine falsche Entscheidung geht in Ordnung. Am schlimmsten aber ist es, nichts zu tun und sich einzumauern."

5. Eine zufällige Entdeckung: das erste EPROM

Das zweite Baby nach der glücklichen Geburt des Intel 1103 DRAM war nicht geplant. Es kam völlig überraschend. Sein „Vater" und Erfinder Dov Frohman hatte, wie er später einräumte, „viel geträumt und sich dann gefragt: warum nicht"? Der realisierte Traum war ein programmierbarer Speicherchip, ein Erasable Programmable Read-Only Memory, in der Sprache der Elektronik EPROM genannt.

Bereits bei der Vorstellung des ersten EPROMs der Welt auf der Solid State Circuits Conference des Jahres 1971 landete Dov Frohman einen durchschlagenden Erfolg. Er zeigte einen Film über das Bit-Muster der EPROM-Speicherzellen. Als die Zellen einer ultravioletten Lichtquelle ausgesetzt wurden, verließ ein Bit nach dem anderen die Zellen, bis nur noch das Intel Logo übrig blieb. Das letzte Bit war soeben dem EPROM-Speicher entschlüpft - da brach im Konferenzsaal tosender Beifall auf.

Das Intel EPROM 1702 war ein großer Erfolg. Es wurde bis Mitte der achtziger Jahre in hohen Stückzahlen verlangt, nicht zuletzt weil Intel viele Jahre der einzige Hersteller war, der EPROMs in hoher Stückzahl produzieren konnte. Als kurz nach dem EPROM bei Intel der Mikroprozessor erfunden wurde, ergänzten sich beide Produkte wie Zwillinge: Das Intel EPROM erwies sich als ein sehr praktischer und preiswerter Speicher für die Mikroprozessor-Programme.

6. Eine geniale Idee in Silizium geätzt: Der erste Mikroprozessor

Im Jahr 1982 listete die angesehene Publikation U.S. News & World Report die zwölf wichtigsten Erfindungen aus Amerika auf. Nach dem Transistor der Bell Laboratories aus dem Jahr 1948 folgt „1971: Die Intel Corporation entwickelt den ersten Mikroprozessor". Und der pragmatische Intel Veteran Gordon Moore zählt den Mikroprozessor zu den „wirklich revolutionären Produkten in der Geschichte der Menschheit".

Die Erfindung des Mikroprozessors war nicht geplant. Ein Entwicklungsauftrag des japanischen Rechenmaschinen-Herstellers Busicom gab den Anstoß. Statt der mechanischen Apparatur, die bereits 1885 in den USA erfunden worden war, wollten die Japaner ein „intelligentes", das heißt programmierbares Produkt auf den Markt bringen. Dieser Entwicklungsauftrag sollte Intel, so der Vertrag mit Busicom, einen Honorarumsatz von 60 000 Dollar bringen.

Busicom hatte bei Intel eine fest programmierte Rechenlogik aus zwölf speziell designten Chip-Bausteinen bestellt. Doch Intel Ingenieur Marcian E. „Ted" Hoff glaubte, mit einer Konstruktion aus vier Chips in Verbindung mit einem Allround-Logik-Baustein auszukommen. Hoff erkannte überdies, daß seine Chips in der Lage waren, nicht nur im Busicom-Kalkulator Rechenoperationen auszuführen. Sie konnten auch höchst unterschiedliche Programme für ein breites Applikations-Spektrum abarbeiten.

Unter der Leitung von Federico Faggin machte sich ein Intel Team an die Arbeit, Hoffs Vision auf Silizium-Basis zu realisieren. Das Resultat war ein „Microcomputer" auf einem einzigen Chip. Er erhielt die Produktbezeichnung Intel 4004. In einer Anzeige der amerikanischen Fachzeitschrift Electronic News gab am 15. November 1971 das gerade drei Jahre alte, noch ziemlich unbekannte Unternehmen Intel die Erfindung des Mikroprozessors bekannt. Die Schlagzeile dieser Anzeige wirkte damals maßlos übertrieben. Aber die Werbeschlagzeile „Announcing a new era of integrated electronics" sollte sich als wahr erweisen. Das angekündigte „neue Zeitalter der integrierten Elektronik" wurde mit dem vorgestellten „mikroprogrammierbaren Computer auf einem Chip" („A microprogrammable computer on a chip") tatsächlich eingeläutet.

In dieser Anzeige vermittelte Intel in Form einer Zeichnung auch seine visionäre und ebenfalls wahr gewordene Anwendungsmöglichkeit für den „Mikrocomputer auf einem Chip". Gezeigt wird ein Tischcomputer mit integriertem Bildschirm und zwei Diskettenlaufwerken, daneben ein Drucker. Diese Vision von einem kommerziell nutzbaren Tischcomputer war im Jahr 1971 äußerst gewagt. Denn erst fünf Jahre später, im September 1976, wurde der legendäre Apple I für 666,66 Dollar erstmals auf Seite 13 der Zeitschrift Interface Age im Rahmen einer Anzeige offeriert, allerdings nur als nackte Platine für Hobbyisten. Bitter für Intel: Das von Apple entwickelte „First Low Cost Microcomputer System", so der Anzeigentext, arbeitete mit dem Mikroprozessor 6502 von MOS Technology, einem neu gegründeten Intel Konkurrenten.

Intels 4004, der erste Mikroprozessor der Welt, war mit 2 300 MOS-Transistoren leistungsstärker als der erste Computer der Welt. Der erste funktionstüchtige Elektronenrechner, der ENIAC aus dem Jahr 1946, füllte allerdings noch einen Raum, während der Intel 4004 mit seinen acht Metallbeinchen an jeder Flanke in einer Kinderhand Platz fand. Doch das technische Wunder hatte aus Intel Sicht einen Konstruktionsfehler: Es war im Auftrag des japanischen Rechenmaschinen-Herstellers Busicom entwickelt worden. Dieser hatte dafür bezahlt und damit die Urheberrechte an der Mikroprozessor-Entwicklung von Intel.

Nach langer Diskussion im Top-Management entschloß sich Intel, die Rechte an seinem Mikroprozessor-Design „für weniger als 60 000 Dollar" (Bob Noyce) zurückzukaufen. Busicom befand sich damals in finanziellen Schwierigkeiten und stimmte zu. „Diese simple Übereinkunft, die wir erzielten, sollte sich als historisch erweisen", so erinnete sich Noyce. Denn wäre dieses Geschäft nicht zustande gekommen, wäre Intels späterer Erfolg auf dem Gebiet der Mikroprozessoren bereits in den Anfängen am Urheberrecht gescheitert.

Ingenieure aus anderen Unternehmen waren zwar neugierig auf die Erfindung des Mikroprozessors. Doch sie hatten keine konkreten Vorstellungen, was man mit diesem elektronischen Intelligenzträger anfangen konnte. Deshalb entwickelten Ted Hoff und sein Team einen Simulator, den sie Blue Box nannten. Mit diesem Simulationswerkzeug namens Intellec 4 konnten Systementwickler Produkte mit dem Intel 4004 kreieren. So legte Intel den Grundstein für eine erfolgreiche Vermarktung seiner Produkte. Doch lange Zeit machte das Unternehmen mehr Umsatz mit der Blue Box als mit dem Mikroprozessor, dessen Absatz sie eigentlich fördern sollte.

7. Wozu ein Mikroprozessor nützlich sein kann

Mitte der siebziger Jahre, so erinnert sich Intel Mitbegründer Gordon Moore, spielte man bei Intel mit der Idee, den damals aktuellen Mikroprozessor 8080 mit einer Tastatur und mit einem Monitor in Verbindung zu bringen. Diese Produktkombination sollte als Heimcomputer vermarktet werden. „Ich fragte damals", so erinnert sich Moore, „wozu ein solches Produkt gut sei, und die Antwort war, damit könne die Hausfrau ihre Kochrezepte verwalten. Das war mir persönlich zu wenig, und wir nahmen uns vor, nie mehr einen Gedanken an einen Heimcomputer zu verschwenden." Hiermit gesteht Moore seine wohl größte Fehleinschätzung ein.

Im Jahr 1975, sieben Jahre nach der Firmengründung, war Intel ein gestandenes Unternehmen mit rund 137 Millionen Dollar Umsatz. Aus dem Intel 4004 war der Intel 8080 hervorgegangen. Mit diesem ausgereiften und (für die damalige Zeit) hochintegrierten 8-Bit-Prozessor profilierte sich Intel als weltweit führender Hersteller von Mikroprozessoren.

Damals jedoch wurden Intel Prozessoren nicht überwiegend für Computer verwendet, sondern „in Anlagen wie Benzinzapfsäulen oder Verkehrsampeln" eingebaut, wie sich der Intel Manager Justin Rattner erinnert. Das war dem ehrgeizigen Entwicklungsingenieur nicht genug. Er setzte sich damals zum Ziel, mit einem Mikroprozessor „den Minicomputer zu ersetzen". Mit den "Mikrocomputern", die nach damaliger Einschätzung lediglich für Heim und Hobby taugten, sollte sich die bereits recht aggressive Konkurrenz, darunter auch der spätere Apple- und Commodore-Lieferant MOS Technology, beschäftigen.

So entstand ab 1975 die Intel Advanced Processor Architecture (iAPX), auf deren Grundlage der erste 32-Bit-Prozessor der Welt, der iAPX 432, produziert wurde. Dieser Prozessor verstand sich bereits auf Fehlertoleranz, er konnte sich wie auch seine Peripherie auf Funktionstüchtigkeit überprüfen. Vom iAPX 432 führt ein direkter Weg zur heute aktuellen Pentium® Prozessor Generation. Doch dieses „unglaublich fortschrittliche Produkt" (Rattner) hatte am Markt keinen Erfolg. Es war laut Rattner „für die meisten Anwender zu unhandlich und zu komplex" gewesen.

Wie so oft in der Intel Geschichte lernte das Unternehmen aus seinem Mißerfolg. Da der Sprung vom 8-Bit- zum 32-Bit-Prozessor die Intel Kunden überfordert hatte, entwickelte Intel kurz entschlossen einen 16-Bit-Prozessor, den später weltberühmten Intel 8086. Er kam 1978 auf den Markt und begründete die Intel Prozessor-Architektur, die sich als internationaler Standard etablieren konnte.

8. Der große Durchbruch auf den Erfolgswogen des IBM* PC

Der Intel 8086 wurde in der Tat zu einem Verkaufsschlager. Doch vor den 16 Bit breiten Datenpfaden, auf denen sich dieser Prozessor intern wie extern an die Arbeit machte, scheuten immer noch viele Computer- und Applikations-Designer zurück. Intel nahm auch diese Zurückhaltung auf seiten der potentiellen Prozessor-Kunden ernst und brachte im Mai 1979 eine abgespeckte Version des Intel 8086 auf den Markt, den Intel 8088. Hierbei handelte es sich um einen Mikroprozessor mit einem externen 8-Bit-Datenbus, der den 16-Bit-Prozessor popularisieren sollte.

Mittlerweile war auf dem Markt der Mikroprozessoren der Wettbewerb voll entbrannt. Vor allem Motorola war es gelungen, mit seiner 68000-Familie recht aktive Mikrocomputer-Hersteller für sich zu gewinnen, so etwa Apple Computer, den Erfinder des Computers zum persönlichen Gebrauch und damaligen Marktführer im Bereich der Tischcomputer. Doch Intel gab sich nicht geschlagen, sondern setzte sich 1980 mit der Kampagne Operation Crush zum Ziel, jährlich mindestens 2 000 neue Elektronik-Designs zu gewinnen, in denen ein Intel Prozessor im Mittelpunkt stand. Tatsächlich gewann Intel 1980 mehr als 2 500 neue Designs.

Dann kam für Intel der große Paukenschlag, der die Welt der Elektronik aufhorchen ließ. Die große IBM gab ihre langjährige Zurückhaltung gegenüber dem Mikrocomputer auf und schickte im August 1981 ihren Personal Computer in den Wettbewerb. Big Blue schuf damit die Gattung des IBM-kompatiblen Mikrocomputers, für den sich alsbald die international gebräuchliche Abkürzung PC durchsetzte. Und als Prozessor entschied sich IBM erstmals für ein Fremdprodukt, für den Intel 8088.

„Die Verhandlungen verliefen sehr geheimnisvoll", so erinnert sich Intel Vice President Earl Whetstone, der damals das Team der Verkaufsingenieure anführte. Die Intel Techniker waren durch einen schwarzen Vorhang von den IBM-Entwicklern getrennt, damit der IBM-Prototyp im verborgenen blieb. Das IBM-Team stellte Fragen, das Intel Team hatte zu antworten „und praktisch aus dem Dunkel heraus Probleme, die auftraten, zu lösen", so berichtet Whetstone. „Im äußersten Fall erlaubte man uns, mit der Hand durch den Vorhang zu greifen, um wenigstens zu ertasten, wo die Probleme lagen."

Den Ausschlag für die IBM-Entscheidung gab Intels Verpflichtung, die Architektur der 8086/8088 Prozessoren auch bei der Weiterentwicklung neuer Prozessoren beizubehalten. IBM verlangte Einblick in die künftige Produktplanung und prüfte, ob Intel in der Lage war, hohe Stückzahlen in gleichbleibender Qualität zu fertigen. Dann endlich stand die Unterschrift unter einem Liefervertrag für 10 000 Prozessoren pro Jahr. Mit dem IBM PC AT (Advanced Technology) kam später auch der Intel 80286 als reinrassiger 16-Bit-Mikroprozessor in hoher Stückzahl zum Einsatz. „Niemand dachte damals daran", so amüsiert sich Whetstone im Rückblick, „daß aus dem PC-Geschäft mit IBM eines Tages nicht 10 000, sondern einige zehn Millionen Einheiten pro Jahr werden würden."

9. Intel wird international

Bereits ein Jahr nach der Firmengründung, im März 1969, betrat Intel den internationalen Markt. In Genf eröffnete Intel Europe seine erste Verkaufsniederlassung auf dem Alten Kontinent. Noch im gleichen Jahr zog die Europa-Zentrale nach Brüssel. Später siedelte sie nach München um. Doch das Geschäft mit ausländischen Kunden war in den ersten Jahren vielfach deprimierend. „Ich brauchte drei Monate, ehe ein Einkäufer von Philips sich bereit erklärte, mit mir einen Termin zu vereinbaren", so erinnert sich Keith Chapman an seine ersten Gehversuche auf europäischem Terrain.
Erst 1971, mit der Einführung der ersten DRAM-Speicherchips, fand Intel internationale Resonanz. Nur die Japaner blieben anfangs skeptisch. Es störte sie, daß Intel keine Produktionsstätte in Japan hatte. Denn Chips made in USA trauten sie nicht die gewünschte Zuverlässigkeit zu. So gab Intel den Produkten, die nach Japan exportiert wurden, ein spezielles Qualitäts-Zertifikat mit auf den Weg. Inzwischen freilich steht die Qualität der Intel Chips auch in Japan außer Zweifel.

Mit über 90 Verkaufsniederlassungen in 25 Ländern der Welt ist Intel heute auf dem ganzen Globus mit seinen Produkten vertreten. Bereits seit 1973 verfügt Intel über Produktionsstätten außerhalb der Vereinigten Staaten. Das erste Auslandswerk wurde in Malaysia auf der Insel Penang errichtet. Als diese Fabrik im Jahr 1975 niederbrannte, brachten sie die malaysischen Mitarbeiter innerhalb von zwei Wochen in einer angemieteten Halle wieder zum Laufen. Die Intel Produktionsstätte in Malaysia steht international in dem Ruf, auf einem hohen Qualitätsstandard zu arbeiten und erhielt deswegen schon zahlreiche Auszeichnungen.

Im Jahr 1974 siedelte sich Intel als erster US-Halbleiterhersteller mit einem Montagewerk auf den Philippinen an. Eine Anlage zum Testen von Intel Produkten folgte im Jahr 1982. Naturkatastrophen und politische Umwälzungen konnten nicht verhindern, daß die philippinischen Werke einen soliden Beitrag zum internationalen Intel Erfolg leisteten.

Auf die Initiative von Dov Frohman (er erfand für Intel den programmierbaren Speicherbaustein, das EPROM) errichtete Intel 1974 in der israelischen Stadt Haifa ein Chip-Design- und -Entwicklungszentrum. 1983 folgte eine Chip-Fabrik in Jerusalem. Auch in Puerto Rico und im irischen Leixlip baute Intel Chip-Fabriken zur Belieferung des Weltmarktes.

Der Prozeß zur Produktion der aktuellen Intel Hochleistungs-Prozessoren arbeitet seit September 1997 auf der Basis der 0,25 Mikron-Technologie. Zuvor waren 0,35 Mikron aktueller Stand der Prozeß-Technolgie. Feinstrukturen weit unterhalb der einst magischen Grenze von einem Tausendstel Millimeter (Mikrometer) galten vor kurzem noch als nicht realisierbar. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 400mal dicker als die Strukturbreite von 0,25 Mikron. Die Produktionstechnologie mit 0,18 Mikrometern steht kurz vor dem Einsatz.

10. Ein neues Rezept zur Steigerung der Produktivität

Im Jahr 1983 übersprang Intel mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Dollar erstmals die Milliarden-Hürde. Doch trotz des anhaltend stürmischen Wachstums sowie zahlreicher Anerkennungen von namhaften Institutionen (Dun´s Review: „Eines der fünf bestgemanagten Unternehmen Amerikas"; Fortune: „Einer unter den acht Meistern der Innovation" oder die Buch-Wertung: „unter den 100 besten Arbeitgebern der Welt") sah sich das Intel Management Mitte der achtziger Jahre mit großen Schwierigkeiten konfrontiert.
Seit den späten 70er Jahren stand fest, daß die Japaner mit massiven Investitionen einen maßgeblichen Anteil am Halbleitermarkt für sich erobern wollten. Vor allem Massenprodukte wie dynamische und programmierbare Speicherchips, DRAMs und EPROMs, waren ihr Revier. Namhafte japanische Halbleiterhersteller scheuten nicht davor zurück, die Märkte über Dumpingpreise zu erobern, was Gerichtsurteile nach langwierigen Verfahren unter Beweis stellen konnten.

Nicht zuletzt aufgrund des japanischen Dumpings mit Preisen stark unter den Herstellungskosten kam es in den Jahren 1985 und 1986 zu einem großen Crash auf dem internationalen Halbleitermarkt. Die EPROM-Preise reduzierten sich dramatisch - in neun Monaten von 30 auf unter 3 Dollar. Dieser Preis deckte nicht einmal mehr die Hälfte der tatsächlichen Produktionskosten. Ebenso rapide und massiv brachen die DRAM-Preise ein. Mit Intel sahen sich fast alle amerikanischen Halbleiterhersteller gezwungen, die DRAM- und EPROM-Produktion aufzugeben, um Verlustquellen zu schließen.

Im Geschäftsjahr 1985 mußte Intel erstmals einen Umsatzeinbruch in Kauf nehmen - von 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 1984 auf 1,4 Milliarden Dollar im Folgejahr. Auch 1986 brach der Umsatz nochmals ein - auf 1,3 Milliarden Dollar. Unterm Strich steht für dieses Jahr - erstmals - ein Nettoverlust.

Doch der große Halbleiter-Crash war für Intel letztlich heilsam. Als damali-ger Produktionschef beschrieb Craig Barrett die vorherrschende Situation in kritischer Selbsterkenntnis mit den Worten: „Gemessen an der Chip-Ausbeute, an den Durchlaufzeiten und an der Nutzung der Kapazitäten mußten wir erkennen, daß wir gar nicht so überragend waren, wie wir glaubten."

So mußte Intel nicht nur die Halbleiterkrise bewältigen, sondern auch den Produktions-Prozeß reorganisieren, um die Produktivität zu steigern. Bislang wurde eine neue Prozeß-Technologie vor Ort in der Fabrik entwickelt. Daß dadurch die Produktion unterbrochen wurde, hatte man in Kauf genommen. Nach der neuen Strategie werden die Entwicklung der Produktions-Technologie und ihre Installation in der Fabrik voneinander getrennt. Aus „Fab 5" beispielsweise entstand „D1" - eine Fabrik, in der unter realen Bedingungen die Produktion neuer Chips eingerichtet und erprobt werden konnte. Erst wenn hier die gewünschte Ausbeute an funktionstüchtigen Chips erzielt wird, darf die erprobte Technologie in den Reinräumen der Produktion installiert werden.

Leerlauf war somit weitgehend eliminiert. Die Produktivität stieg „um einige Quantensprünge", wie Dr. Craig Barrett mit Befriedigung feststellen konnte. Vor der Reorganisation betrug die Ausbeute weniger als 50 Prozent; danach stieg sie auf über 80 Prozent. Die Nutzung der Produktionsanlagen erhöhte sich von unter 20 Prozent auf mehr als 60 Prozent.

11. Eine “Spielwiese” für junge Talente mit verrückten Ideen

Intel genießt zwar den Ruf, ein straff geführter Konzern zu sein. Das besagt aber nicht, daß junge Talente mit verrückten Ideen keinen Platz im Unternehmen hätten. Im Gegenteil: Für die „Kreativen" wurde eigens eine Art Spielwiese eingerichtet, auf der sie völlig frei vom Ernst des Geschäftslebens Ideen ausbrüten und realisieren können, die später vielleicht zu maßgeblichen Umsatzträgern werden.

Um neuen Geschäftsideen den Weg zum Erfolg zu bahnen, wurde die Intel Development Operation (IDO) gegründet. Dieser Bereich arbeitet wie ein internes Venture Capital-Unternehmen. Engagierte Mitarbeiter mit innovativen Ideen haben mit der IDO eine Plattform, ihre Vorstellungen und Visionen innerhalb des Unternehmens zu realisieren. Sie müssen nicht mehr abwandern, um auf eigene Faust und mit zumeist fremden Geldgebern ihre neuen Geschäftsideen durchzusetzen.

So entstand, unter der Regie von Justin Rattner, die Supercomputer Systems Division (SSD), die mit Parallel Processing auf der Grundlage von Mikroprozessoren damit begann, Supercomputer zu entwickeln. Auf diesem Sektor, dem Marktkenner eine große Zukunft vorhersagen, ist Intel heute einer der Marktführer. Ein aktuelles Beispiel: Mit 7264 parallel geschalteten Pentium® Pro Prozessoren - dieser Hochleistungs-Prozessor wurde im November 1995 im Markt eingeführt - baute Intel im Auftrag der US-Regierung einen Supercomputer, der im Dezember 1996 erstmals die magische Teraflop-Grenze überschritt. Er erzielte damit den Geschwindigkeits-Weltrekord für Computer. Dieser auf Mikroprozessoren basierende Rechner schaffte konkret 1,06 Teraflops. Ein Teraflop entspricht einer Billion (eine Eins mit zwölf Nullen) Floating Point (Gleitkomma-) Operationen pro Sekunde. Dieser Supercomputer von Intel dient unter anderem der Simulation von unterirdischen Atomversuchen, die damit überflüssig werden sollen.

Unter dem IDO-Dach etablierte sich auch die Personal Computer Enhancement Division (PCED). Sie begann ihre Geschäftstätigkeit mit der Entwicklung und Vermarktung von mathematischen Coprozessoren und erweiterte diese Geschäftsbasis bis hin zur Herstellung kompletter Mutterplatinen. Der Unternehmensbereich IDO entwickelte sich sehr rasch zu einem erfolgreichen Geschäftszweig. Aber der IDO-Gründer Les Vadasz betont: „Im Geschäft mit der Hochtechnologie gibt es etwas, das mehr zählt als Geld: Es wird ein Sinn dafür genährt, was möglich ist. Denn uns treibt niemals an, was ist, sondern was sein könnte."

Die Intel „Spielwiese" namens IDO, auf der aussichtsreiche Geschäftsideen erwachsen werden, erhielt 1991 einen neuen Geschäftsbereich, die Intel Ar-chitecture Laboratories, abgekürzt IAL. In diesem Forschungslaboratorium denken mehr als 1000 hochkarätige Intel Mitarbeiter darüber nach, wie sich die Intel Prozessor-Architektur weiter expandieren läßt. Jüngstes Beispiel für den unaufhaltsamen Fortschritt in der Prozessor-Technologie ist die zu-künftige 64-Bit Intel-Architektur (IA-64) für Mikroprozessoren, die Intel und Hewlett-Packard gemeinsam entwickelten und erstmals im Oktober 1997 auf dem Microprocessor Forum im kalifornischen San Jose der Öffentlichkeit präsentierten. Der erste IA-64 Mikroprozessor wird unter dem Codenamen „Merced" von Intel entwickelt, hergestellt und vermarktet. Der Produktionsbeginn ist für das Jahr 2000 geplant. Der neue Prozessor, der zunächst in Workstations und Servern arbeiten soll, wird in Strukturbreiten von 0,18 Mikron hergestellt.

In welche Richtung sich der PC entwickeln wird, steht für Intels Innovations-Ingenieure außer Zweifel: Über Multimedia zu einer Anbindung des PCs an das Internet und die öffentlichen Kommunikationsnetze mit der Aussicht, das Telefon wie auch den herkömmlichen Fernseher samt Video-recorder zu integrieren. Der PC, das Multifunktions- und -Multikommunikations-Terminal daheim - so sieht die bereits im Ansatz realisierte Zielsetzung aus. Andy Grove, der IAL-Gründungsvater und ruheloser Vordenker für die Zukunft, sagt, er sei „besessen" von dieser Idee.

Auch die Filmindustrie zieht großen Nutzen aus der von Intel forcierten digitalen Video-, Grafik- und Audioverarbeitung. Als Anerkennung für die technologische Umsetzung seiner Vision von einer integrierten digitalisierten Multimediawelt erhielt Andrew S. Grove als President und Chief Executive Officer der Intel Corporation im April 1997 in Cannes den Filmpreis Prix des Techniques Numéricques du Cinéma. „Wir glauben, daß der Visual Connected PC ein geradezu ideales Medium für Filmemacher ist, denn es setzt der Kreativität kaum noch Grenzen", so kommentierte Grove den Filmpreis von Cannes für die Intel Innovationen auf dem Gebiet der multimedialen Digitaltechnologie.

Die PC-Technologie etabliert sich auch im Automobil. Bereits im September 1997 stellten Intel und Citroen auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt den Prototypen eines Automobils mit der von Intel entwickelten Connected Car PC-Technologie vor. Sie bietet im Auto Information, Navigation, Kommunikation wie auch Unterhaltung, etwa - für die Beifahrer - Spielfilme von der Digital Versatile Disk (DVD) in Stereoqualität mit Dolby-Raumklang. Als Informationsmedium dient ein Internet-Anschluß mit E-Mail, wobei die Texte in Sprache konvertiert und dem Empfänger vorgelesen werden.

12. Eine neue Lizensierungs-Politik

Auf Regierungsebene wurde im Juli 1986 der Halbleiterkrieg zwischen den USA und Japan beendet. Japan stoppte seine Dumping-Strategie und erlaubte den US-Herstellern einen ungehinderten Zugang zum japanischen Markt. In einem Gerichtsverfahren zwischen Intel und dem japanischen Chip- und Prozessor-Produzenten NEC wird im August 1986 das erste Urteil gesprochen. Danach ist das von Intel beanspruchte Copyright auf den Microcode für Mikroprozessoren rechtens. NEC geht in die Berufungsinstanz. Hier werden die Japaner im Februar 1989 rechtskräftig abgewiesen.

Mit dem 32-Bit-Prozessor Intel386™, der im August 1986 marktreif ist und erstmals von einem IBM-Konkurrenten, der Compaq Computer Corporation aus Houston/Textas, in einen Personal Computer eingebaut wird, beginnt bei Intel eine neue Ära der Lizensierung.

Bislang war es üblich gewesen, daß Intel seine Designs für Prozessoren an sogenannte Second Sources lizensierte. Vor allem Großkunden wünschten aus Sicherheitsgründen diese Lizensierung an weitere Produzenten. Sie wollten bei einem Kernprodukt, das anderweitig nicht verfügbar war, nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig sein. Denn war dieser aus unvorhersehbaren Gründen, etwa durch Feuer, einen Betriebsunfall oder eine Naturkatastrophe, nicht mehr lieferfähig, lag auch die Produktproduktion des Intel Kunden lahm.

Doch das Intel Management wollte nicht länger eine aufwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten, um anschließend von den Lizenznehmern preislich in die Knie gezwungen zu werden. „Wir wollten ganz einfach nicht mehr die neuen Chips auf ein Silbertablett legen, um sie anderen Unternehmen zum Nachbau anzubieten", so rechtfertigte Andy Grove die Abkehr von der herkömmlichen Lizensierungs-Politik.

Im Gegenzug mußte Intel seine Produktionsbasis verbreitern. Ein Prozessor mußte in mehreren Fabriken zugleich hergestellt werden, damit Lieferengpässe durch einen möglichen Fabrikstillstand ausgeschlossen waren. „Wir schafften es in relativ kurzer Zeit, die Produktion des i386 auf mehrere Fabriken zu verlagern und konnten damit unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Großabnehmern voll und ganz erfüllen", so kommentierte Grove die Abkehr von der alten Lizensierungs-Strategie. „An Awesome Intel Corners Its Market" („Eine aufgebrachte Intel treibt den Markt in die Enge"), so überschrieb die New York Times am 3. April 1988 ihren Bericht über diesen grundlegenden Wandel in der Intel Geschäftspolitik. In einzelnen Bereichen werden andere Prozessor-Hersteller dennoch nach wie vor von Intel lizensiert.

13. Der Weg zum Markenartikler

Intel hatte immer ein offenes Ohr für die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden. Diese Grundeinstellung trägt, neben der Innovationsstärke, maßgeblich zum beispiellosen Erfolg des Unternehmens bei. Als im Jahr 1989, knapp drei Jahre nach der Markteinführung, der 32-Bit-Prozessor Intel386™ immer noch das Image eines elitären High-End-Produktes hatte, schob Intel eine abgespeckte Version des 386 nach, den i386™ SX, um den 32-Bit-Prozessor zu popularisieren. „Dieser Prozessor sollte den PC-Anwendern klar machen, daß die 286-CPU nicht für immer und ewig ihre Leistungsanforderungen befriedigen konnte", so stellte Dennis Carter als Intel Vice President und Director der Corporate Marketing Group den i386™ SX vor. Der 16-Bit Prozessor i286 stand bereits im siebten Jahr seiner Marktpräsenz und war der bis dahin meistverkaufte Intel Prozessor.

Mit einer großangelegten US-Werbekampagne sprach Intel erstmals die „Endverbraucher" seiner Prozessoren gezielt an. Marketingchef Carter wollte sie „davon überzeugen, daß die i386™ SX CPU ein sehr preiswerter Pfad war, die 32-Bit-Welt zu betreten". Das im Hause Intel nicht unumstrittene Experiment mit der sogenannten Red X Campagne verlief erfolgreich. „Wir lernten daraus", so freute sich Carter, „daß wir auch hintergründige technische Ideen mit den PC-Anwendern kommunizieren konnten, ja daß sie das sogar wünschten."

Das große rote X, das die Zahl 286 ungültig machen sollte, war zugleich der Auftakt zu einer bislang einmaligen Marketing-Strategie, die im Mai 1991 gestartet wurde: Mit dem roten Logo Intel Inside in Werbekampagnen, auf Verpackungen und Prospekten der PC-Hersteller wie auch auf den Computergehäusen verweist Intel darauf, daß im Innern des betreffenden PCs ein original Intel Prozessor die eigentliche Arbeit des Computing verrichtete. So machte Intel auf seine verborgenen High-Tech-Produkte aufmerksam und wertete zugleich das OEM-Produkt auf. Durch Intel Inside wurde Intel selber ein weltbekannter Markenname.

Mit einer mutigen Marketingstrategie reduzierte Intel 1989 das technische Potential des i386™, damit er sich als Massenprozessor profilieren konnte. Aber im gleichen Zug zollte Intel dem technologischen Fortschritt Tribut und brachte im April 1989 den i486™ auf den Markt, den bis dahin leistungsstärksten Mikroprozessor mit 1,2 Millionen Transistoren. Damit bot er die Leistung eines Mainframes der achtziger Jahre auf einem einzigen Chip. Dank der erfolgreichen Werbung für Intel Mikroprozessoren schaffte dieses Hochleistungsprodukt in nur drei Jahren den Durchbruch zum Massenprozessor.

14. Intel intern: eine Bank und eine Anwaltskanzlei

Selbst in schlechten Zeiten wich Intel nicht vom Grundsatz ab, stets mehr als 10 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung auszugeben. Da überdies das Halbleitergeschäft mit stark wechselnden Einnahmen sehr zyklisch verläuft, sorgt das Intel Treasury Department dafür, daß immer genügend Geld für die lebenswichtigen Investitionen vorhanden ist. Denn „Treasury" arbeitet wie eine unternehmenseigene Investmentbank, die alle Investitionsmittel optimal anlegt und sie freigibt, wenn sie gebraucht werden.

„Die Kosten für eine neue Halbleiterfabrik haben im Jahr 1994 die Schwelle von einer Milliarde Dollar überschritten", so vermittelt Intel Chairman Gordon Moore ein Bild vom schier unermeßlichen Kapitalbedarf der Halbleiterindustrie, „und wir sind auf dem besten Weg, die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke anzusteuern."

Wie das Intel „Treasury" die Investitionsstärke absichert, so stabilisiert das Intel Legal Department den internationalen Markterfolg. Rechtsschutz für die Intel Produkte ist erforderlich, da es sich zumeist um geistiges Eigentum handelt, das sich leicht stehlen und nachahmen läßt. Gesetzlichen Schutz gewährt das Copyright-Gesetz aus dem Jahr 1980, das auch für den Microcode von Mikroprozessoren gilt - ein Tatbestand, den Intel vor Gericht gegen NEC erkämpft hat. Das Semiconductor Protection Act aus dem Jahr 1984 schützt alle „gedruckten" Schaltungen auf Wafer vor Nachahmung. Außerdem gilt es, etwa ein halbes Tausend Patente, die Intel mittlerweile angemeldet hat, gegen Nachahmer zu verteidigen.

15. Im Zeichen des Pentium® Prozessors

Auch das Jahr 1993 ist ein Erfolgsjahr für Intel. Das Unternehmen gibt als Jahresumsatz für 1992 stolze 5,8 Milliarden Dollar bekannt, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von mehr als 22 Prozent. Der Nettogewinn steigt auf 1,1 Milliarden Dollar, ein Plus von über 23 Prozent. Der Aktienkurs klettert aus der langjährigen Notierung von 40 Dollar auf 120 Dollar, so hoch wie noch nie zuvor. Kein Wunder auch, denn Dataquest gab im Januar 1993 bekannt, daß Intel zum größten Halbleiterhersteller der Welt aufgestiegen ist. Damit hatte Intel den japanischen Spitzenreiter NEC, der seit 1984 diese Position verteidigen konnte, überflügelt - ein Grund mehr, das 25jährige Bestehen des Unternehmens im Juli 1993 zu feiern.

Markteinführung. Ein weiterer Grund zur Freude war die Markteinführung des Pentium® Prozessors im März des Jahres 1993. Dieser Mikroprozessor der fünften Generation (im Rahmen der Intel Architektur) hat rund 3,1 Millionen Transistoren und verfügt - bei einer Taktgeschwindigkeit von 133 Megahertz - über ein Leistungsvolumen von rund 218 Millionen Instruktionen pro Sekunde (MIPS). Er ist fünfmal so schnell wie sein Vorgänger. Mit diesem Leistungsangebot stellt Intel außer Zweifel, daß die althergebrachte Mainframe-Computer-Architektur durch Client-Server-PCs abgelöst wird. Schon zwei Jahre nach der Markteinführung hat der Pentium Prozessor alle bisherigen Stückzahlrekorde gebrochen.

Rückschlag. Zum Jahresende 1994, auf dem Höhepunkt des Pentium Erfolgs, wurde Intel von einem Tag zum anderen mit einem schweren Rückschlag konfrontiert. Aufgrund einer Ungenauigkeit der Fließkomma-Einheit arbeitete der Pentium Prozessor bei bestimmten Rechenoperationen nicht ganz exakt. Nach einer kurzen Phase der Irritation faßte Intel wieder Tritt. Das Unternehmen bot allen Besitzern von Computern, die auf einem fehlerhaften Pentium Prozessor basieren, einen Prozessor-Austausch über die gesamte Lebensdauer des Systems an. Noch im vierten Quartal 1994 wurden für diese Austauschaktion 475 Millionen Dollar zurückgestellt.

„Diese Episode markiert einen strategischen Wendepunkt, wir absolvierten einen Crash-Kurs bezüglich unserer Einstellung zu den Endkunden", so bekannte sich das Intel Führungstrio Gordon E. Moore, Andrew S. Grove und Craig R. Barrett im Geschäftsbericht 1994 gegenüber den Aktionären zu einem neuen Denken. „In Zukunft sind wir besser vorbereitet, die hohen Erwartungen der Öffentlichkeit hinsichtlich der Intel Produkte zu erfüllen", so gelobte das Intel Top-Management im Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 1994. Es war nach seiner Einschätzung im Hinblick auf den Pentium Prozessor „zugleich das beste und das schlechteste aller Zeiten".

Nur wenige Anwender machten von ihrem Rückgaberecht Gebrauch. Ganz im Gegenteil: Die großzügige, unbürokratische Austauschaktion schuf neues Vertrauen in den Pentium Prozessor, so daß im Jahr danach von diesem Spitzenprodukt der elektronischen Intelligenz stückzahlmäßig mehr abgesetzt worden waren als von seinem Vorgänger, dem i486™, insgesamt.

Familienzuwachs. In schneller Folge baute Intel die Pentium Prozessor-Familie aus: Anfang Januar 1996 kündigt Intel die sofortige Verfügbarkeit von zwei Spitzenmodellen an, die mit 150 MHz bzw. 166 MHz getaktet sind. Zur Jahresmitte 1996 stand erneut ein Spitzenmodell des Pentium® Prozessors zur Verfügung. Es ist mit 200 Megahertz getaktet. Ein neues Prozessor-Gehäuse sorgt für eine hocheffiziente Wärmeabgabe.

Im August 1996 kündigt Intel einen Pentium Prozessor für mobile Computer an, der mit 150 Megahertz getaktet ist. Nach Modellen mit 75, 90, 100, 120 und 133 MHz ist dies der sechste Pentium Prozessor für mobile PCs, den Intel mit der Zielsetzung auf den Markt bringt, Notebook-Anwendern die gleiche Leistung und Computer-Ausstattung zu bieten wie bei Desktop-PCs. Mittlerweile ist der Pentium Prozessor auf breiter Basis im PC-Markt vertreten - in Servern, Business-PCs, Notebook-PCs wie auch in Multimedia-Heim-PCs.

Früher als sonst steht bereits zweieinhalb Jahre nach dem fulminanten Start des Pentium Prozessors der Nachfolger vor der Tür. Es ist der Pentium Pro Prozessor, der am 1. November 1995 im Markt eingeführt wird. Dieser Prozessor der sechsten Intel Generation wurde unter dem Codenamen P6 entwickelt. Er treibt das Leistungsangebot wiederum um einen Quantensprung nach oben. Mit 5,5 Millionen Transistoren und einer anfänglichen Taktgeschwindigkeit von 150 Megahertz (MHz) verdoppelt er die Leistung seines Vorgängers. Der Pentium Pro Prozessor ist prädestiniert für Server, Workstations oder Desktop-PCs, die auf der Basis von 32-Bit-Betriebssystemen wie etwa Windows* NT oder Windows 95*, mittlerweile Windows 98* arbeiten.

Die MMX™ Technologie. Am 8. Januar 1997 führte Intel weltweit den Pentium Prozessor mit MMX Technologie ein. Mikroprozessoren mit MMX Technologie ermöglichen eine qualitativ enorm gesteigerte und beschleunigte Grafik-, Video- und Audioverarbeitung. Dreidimensionale Grafikdarstellungen wirken räumlich und realistisch, Videopräsentation sind in Bewegungsablauf und Farbe so natürlich wie Film oder Fernsehen, und dem menschlichen Ohr wird nicht nur HiFi-Stereoqualität, sondern auch dreidimensionales, räumliches Hören geboten. Und das alles ohne teure PC-Zusatzhardware. Intel betrachtet daher die MMX Technologie als den größten Fortschritt in der Mikroprozessor-Technologie seit der Markteinführung des Intel386 im Jahr 1985.

Preishit. Im April 1998 stellte Intel den ersten Intel Celeron™ Prozessor vor. Er ist anfangs mit 266 MHz getaktet und wurde entwickelt, um den Kernbedürfnissen preissensitiver PC-Käufer gerecht zu werden. Im August 1998 brachte Intel für den Massenmarkt zwei weitere Mitglieder der Celeron Prozessorfamilie auf den Markt. Diese Intel Celeron Prozessoren mit 300 MHz und 333 MHz verfügen erstmals über 128 Kilobyte L2-Cache auf dem Prozessor-Chip. Dieser schnelle Zwischenspeicher beschleunigt die Bearbeitung von Software enorm. Anfang Januar 1999 steigerte Intel das Leistungsangebot des Intel Celeron Prozessors noch einmal mit Taktraten von 366- bzw. 400 MHz um weitere 20 Prozent (im Vergleich zum bisherigen Spitzenmodell). Und seit August 1999 krönt ein 500-MHz-Modell die Leistungsskala der preisoptimierten Intel Celeron Prozessoren.

Der Pentium® II Prozessor. Im Mai 1997 stellt Intel den Pentium® II Prozessor vor. Er kombiniert innovative und bewährte Technologien und begründet eine neue Leistungsklasse für PCs und Workstations. Der Pentium II Prozessor wird zunächst mit Taktfrequenzen von 300, 266 und 233 MHz angeboten und verbindet die fortschrittliche Architektur des Pentium Pro Prozessors mit den Vorteilen der MMX Technologie.

Im Juni 1998 führt Intel den Pentium® II Xeon Prozessor ein. Dieser Prozessor, der zunächst mit 400 MHz Taktfrequenz vorgestellt wird, ist zugeschnitten auf die Leistungsanforderungen von Workstations und Servern oberhalb der Mittelklasse. Anfang Oktober 1998 steht der bis dahin schnellste Pentium II Xeon Prozessor zur Verfügung. Er ist mit 450 Megahertz getaktet. Aufgrund seiner enormen Rechenleistung sowie der Skalierbarkeit der Systeme ermöglicht dieser Prozessor ein außergewöhnlich günstiges Preis-/Leistungsverhältnis im anspruchsvollen Marktsegment der Server und Workstations.

Der Pentium® III Prozessor. Ende Februar 1999 stellte Intel den Pentium III Prozessor vor. Mit ihm beginnt eine neue Prozessor-Generation. Der Pentium III Prozessor ist der erste Mikroprozessor, der speziell für das Internet entwickelt wurde. 70 neue Befehle sorgen für mehr Spaß beim Internet-Anwender und für eine höhere Produktivität in Unternehmen, die zunehmend mit dem Internet arbeiten. So wird der Aufbau von 3D-Darstellungen wesentlich beschleunigt, Videofilme lassen sich am PC-Bildschirm in Fernsehqualität ohne Zusatzhardware wiedergeben, und bei Spracherkennungsprogrammen steigen die Erkennungsraten. Die ersten Familienmitglieder der neuen Prozessor-Generation wurden mit Taktfrequenzen von 450 und 500 MHz auf den Markt gebracht. Bereits im Mai 1999 stehen Pentium® III Prozessoren mit Taktraten von 550 MHz zur Verfügung. Seit Anfang August 1999 ist der Pentium III Prozessor mit einer Taktrate von 600 MHz zu haben.

Auf der CeBIT 1999 präsentiert Intel mit dem Pentium® III Xeon Prozessor seinen aktuell schnellsten Mikroprozessor. Das Flaggschiff ist mit 500 bzw. 550 Megahertz getaktet. Der Pentium III Xeon Prozessor kommt in erster Linie in Hochleistungs-Computern wie etwa Highend-Servern oder -Workstations zum Einsatz. Dieser Prozessor bewältigt auch äußerst datenintensive, unternehmenskritische Anwendungen wie etwa Intranets, Webseiten oder E-Business. Mit bis zu acht Prozessoren pro Server läßt sich das Leistungsspektrum den Anforderungen entsprechend wunschgerecht skalieren.

Intels IA-64 Prozessorarchitektur und der Merced Prozessor
Die IA-64 Architektur ist das zukünftige Triebwerk der Internet-Ökonomie. Server und Workstations basierend auf dem Merced Prozessor, dem ersten Vertreter der IA-64 Architektur, werden im Jahr 2000 auf den Markt kommen. Unterstützt wird die IA-64 Architektur von unzähligen Herstellern aus der Software- und Hardware-Industrie: Firmen wie Baan, Bull, Compaq, Dell, Fujitsu, HP, IBM, Informix, Microsoft, NEC, Novell, Oracle, SAP, SCO, SGI, Siemens und Sun sowie viele andere Hersteller entwickeln Produkte für die IA-64 Architektur.

Im Mai 1999 veröffentlichten Intel und Hewlett-Packard erstmals Details des Befehlssatzes der IA-64 Architektur. Diese sind das Ergebnis der 1994 bekanntgegebenen gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Intel und HP. Mit diesen Informationen, die auf den Webseiten von Intel und HP der Öffentlichkeit zugänglich sind, können Software-Hersteller bereits heute Server- und Workstation-Anwendungen für die zukünftigen IA-64 Prozessoren entwickeln.

Im August 1999 wurde erstmals ein Plattform mit dem Merced Prozessor der Öffentlichkeit vorgeführt, verbunden mit der Ankündigung, dass die ersten funktionsfähigen Muster des Merced Prozessors bereits ausgeliefert wurden. Die bei dieser ersten öffentlichen Demonstration eines Merced Prozessors eingesetzen Betriebssysteme waren Prototypen der 64-Bit-Versionen von Windows* und Linux* sowie eine grafische 64-Bit-Anwendung des Berliner Software-Unternehmens mental images.

16. Im Zeitalter von Netzwerken, Multimedia und der Bildkommunikation

Während der letzten zehn Jahre trat der Personal Computer immer stärker aus seiner ursprünglichen Isolation heraus. Der PC, auch der Heim-PC, sucht zunehmend Anschluß an die öffentlichen Telekommunikationsnetze. Und in der Geschäftswelt gibt es kaum noch Arbeitsplatzcomputer, die nicht an ein Local Area Network (LAN) oder gar an ein Wide Area Network (WAN) angebunden sind. Intel ist auf dem Markt für integriertes Netzwerk-Management mit der LANDesk® Familie vertreten. Netzwerke, Multimedia und die Bildkommunikation prägen die Zukunft des Personalcomputers, wie bereits neue, dynamisch wachsende Marktsegmente zeigen:

Internet. Aus einem Insider-Netz für Universitäten entwickelte sich das Internet explosionsartig zum größten Computernetz der Welt. Nicht mehr nur die Wissenschaft, auch nicht die Geschäftswelt, sondern Privatanwender sind in der Mehrzahl die Nutzer dieses kostengünstigen Netzwerks aus derzeit rund Millionen von Servern und hunderten von Millionen von Anwendern weltweit.

Im Internet dominiert Multimedia. Diese Synthese aus Daten, PC-Applikationen, Grafik, Audio und Video nimmt derzeit in der Geschäftswelt wie auch im Privatbereich einen rasanten Aufschwung, nicht zuletzt durch die stark wachsende Popularität der Online-Dienste im World Wide Web (WWW) des Internet. Die leistungsstarken Prozessoren von Intel machen es möglich, daß sich Multimedia-Anwendungen für das Internet am PC-Farbbildschirm in der erwarteten Geschwindigkeit und mit hohem Qualitätsstandard in Szene setzen lassen.

Weil im Internet das volle Nutzungsspektrum des PCs zur Geltung kommt, widmet sich Intel dieser innovativen Kommunikationstechnologie in besonderem Maße. Im Juli 1996 stellte Intel mit seinem Internet Phone das erste, auf etablierten Kommunikationsstandards (H.323) basierende Internet-Telefon vor. Es bietet eine durchaus befriedigende Sprachqualität und erlaubt Telefonieren rund um den Globus zu Gebühren, wie sie hierzulande bei Ortsgesprächen anfallen.

Im Dezember 1996 stellte Intel auf seiner Web-Site im Internet kostenfrei auf Softwarebasis ein Internet Video Phone zur Verfügung. Die Anwender des Internet Video Phones von Intel können sich nicht nur sehen, wenn sie miteinander im Internet telefonieren. Sie können parallel dazu auch mit dem Internet-Browser Netz-Applikationen aufrufen, außerdem auch Fotos austauschen oder im Internet Spiele spielen. Währenddessen sehen sich die Bildtelefon-Partner in einem Bildschirmfenster ihres PCs und hören ihre Konversation aus dem PC-Lautsprecher. Hardwarebasis für die Software-Applikation Video Phone ist ein Multimedia-PC.

Multimedia. In Schule und Ausbildung wird die Multimedia-Technologie in Zukunft eine sinnvolle Ergänzung zum Buch darstellen. In Training und Weiterbildung kann Multimedia - durch Mitwirkung von Intel - den herkömmlich Seminarbetrieb durch ganz neue Möglichkeiten bereichern. Unter maßgeblicher Beteiligung von Intel wurde die interaktive Multimedia-Kommunikation mit Bewegtbildübertragung in öffentlichen Netzen realisiert, etwa in der Form der Videokonferenz am PC.

Video Conferencing. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Forward Concepts, die Anfang 1997 vorgelegt wurde, ist Intel mit einem Marktanteil von 40 Prozent eindeutiger Marktführer auf dem Gebiet der PC-basierten Videokonferenz-Systeme, deren Marktvolumen sich bis zum Jahr 2001 von derzeit über einer Milliarde auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar ausweiten soll. Im Juni 1997 stellen Intel und die Deutsche Telekom AG gemeinsam die neue Version von Intels Business Video Conferencing Software vor, die auf der bewährten ProShare® Technologie basiert. Seit September 1998 steht das Intel ProShare® VideoSystem 500 auf einer einzigen PCI-Einsteckkarte zur Verfügung.

Zwei europäische Großanwender der ProShare Technologie sind die BMW AG in München, die das System für die Design- und Konstruktionsabstimmung in der Automobilherstellung einsetzt sowie die Erasmus Universität in Rotterdam, wo Studenten aus der Ferne oder von zu Hause aus mit ihren Lehrern kommunizieren können.

Am 8. September 1995 feierte das ProShare Videokonferenzsystem sogar in der Raumfahrt Premiere: Der Astronaut Jim Newman nahm aus dem Space Shuttle Endeavour Kontakt auf mit Marsha Ivins vom Johnson Raumfahrt-Kontrollzentrum in Houston/Texas. Während dieser Videokonferenz von PC zu PC übermittelte Newman Weltraumfotos an die Erde und erhielt im Gegenzug von seinem Konferenzpartner in Houston mündlich kommentierte Zeichnungen. Intel ist internationaler Marktführer auf dem Gebiet des Desktop Video Conferencing.

PictureTel. Am 19. Januar 1999 gab Intel eine Investition in der Picture-Tel Corporation in Höhe von 30.5 Millionen US-Dollar bekannt. Darüber hinaus hat Intel der PictureTel Corporation die Vertriebsrechte des Intel (R) ProShare (R) Video System 500 sowie des Intel TeamStation (TM) Systems eingeräumt.

Intercast®. Ende Oktober 1995 formierte sich in den USA die Intercast Industry Group (IIG). Dieses Konsortium aus führenden Unternehmen der Television, der PC- und Software-Industrie sowie aus namhaften Kabelnetz-betreibern und Anbietern von interaktiven Online-Diensten kreierte mit Intercast ein neues digitales Medium. Es findet eine Plattform im Personalcomputer. Intercast integriert die Funktion Fernsehen in den Personalcomputer und ist auf Multimedia ausgerichtet. Primäre Zielgruppe sind Privathaushalte.

Personalcomputer, die mit der von Intel entwickelten Intercast-Technologie ausgestattet sind, können in Verbindung mit TV-Programmen Inhalte aus dem World Wide Web des Internet empfangen. Diese werden simultan mit dem Fernsehsignal übertragen. Damit schließt sich die Lücke zwischen den reichhaltigen Unterhaltungs- und Informationsangeboten des Fernsehens und den vielfältigen Kommunikationsinhalten des Internet.

Der erste europäische und damit auch der erste deutsche Intercast Dienst wird vom ZDF betrieben und wurde der breiten Öffentlichkeit als ZDF Intercast™ Ende August zur IFA 1997 vorgestellt. Das ZDF sendet seit September 1997 attraktive programmbegleitende Intercast™ Inhalte aus den Bereichen Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissen und Wetter. Dazu gehören Sendungen wie das aktuelle SportStudio, Aspekte, Frontal, die Kindersendung Tabaluga tivi, WISO oder "Wetten, dass..?" Seit Dezember 1997 steht der ZDF-Intercast-Dienst 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Im August 1998 nahm das Deutsche Sport Fernsehen DSF die Ausstrahlung von DSF-Intercast auf.

ATVEF. Anfang 1998 wurde Intel Gründungsmitglied des Advanced Television Enhancement Forum (ATVEF), einer industrieübergreifenden Kooperation bedeutender Firmen aus dem Broadcast-, Kabelnetzwerk-, Satellitenbetreiber-, Unterhaltungselektronik- und PC-Bereich. Ziel von ATVEF ist es, die Produktion von multimedialen Inhalten zu beschleunigen.

17. Mut zur Zukunft

Intel Inside ist aus dem Alltag der Menschen nicht mehr fortzudenken. Nicht nur rund 80 Prozent aller Mikrocomputer, die derzeit in Betrieb sind, basieren auf der Intel Prozessor-Architektur. Auch wenn Fernseher, Videorecorder, Videokameras, Mikrowellenherde oder Waschmaschinen eingeschaltet werden, steuert oftmals ein Prozessor oder Controller von Intel die „Intelligenz" dieser Produkte. Gewaltige Produktionsanlagen, Maschinen, Motoren, Bremsanlagen, Navigationssysteme, Verkehrsleit- und -steuersysteme oder die lokalen Kabelnetze in Autos, Bahnen und Flugzeugen werden häufig von Intel Microcontrollern gemanagt.
Allein für Forschung und Entwicklung investierte Intel im letzten Geschäftsjahr 2,7 Milliarden US-Dollar und voraussichtlich drei Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 1999. Bis Ende 1998 war die gesamte Prozessorfertigung von Intel auf die fortschrittliche 0,25-Mikrometer-Technologie umgestellt. Im Juni 1999 eröffnete Intel in Israel für 1,6 Milliarden US Dollar eine neue Fabrik, die ab Herbst 1999 Mikroprozessoren auf Basis der 0,18 Mikrometer-Technologie produzieren wird.

Mit strategischen Investitionen vor allem in innovative Unternehmen der Computer- und Kommunikationstechnologie bereitet sich Intel derzeit auf die Zukunft vor. Allein im Jahr 1998 beteiligte sich Intel an mehr als 100 High-Tech-Unternehmen. Insgesamt ist Intel an mehr als 250 Unternehmen beteiligt mit dem Ziel, auf den unterschiedlichsten Gebieten den Wandel der Unternehmen von einem Mikroprozessorhersteller zu einem Anbieter von Bausteinen für die Internet-Ökonomie voran zu treiben.

Aber nicht nur durch Beteiligungen, auch durch Firmenübernahmen ebnet Intel seinen Weg in die Zukunft. Im Bereich der Netzwerk- und Kommunikationstechnologie hat Intel in letzter Zeit drei Firmen übernommen. Im Oktober 1998 übernahm Intel mit Shiva einen weltweit führenden Hersteller von Netzwerkprodukten für kleine und mittelständische Unternehmen. Im Juli 1999 übernahm Intel in Form eines Aktientausches in Höhe von rund 780 Millionen US-Dollar Dialogic mit dem Ziel, Intel neue Märkte im Bereich der Computer-Telefonie und Sprach-Daten-Integration zu öffnen. Im August 1999 übernahm Intel in Form eines Aktientausches in Höhe von rund 2,2 Milliarden US-Dollar mit Level One ein Unternehmen, dass weltweit führend in der Entwicklung von Silizium-Bausteinen für Hochgeschwindigkeits-Netzwerkgeräte ist.

Auf dem expansiven Internet-Markt will Intel in Zukunft nicht nur weiterhin eine führende Rolle als Anbieter von Prozessoren und Netzwerk-Komponenten spielen. Das Unternehmen will in Kürze auch als Internet-Dienstleister in Erscheinung treten, und zwar mit großen Rechenzentren für zentral abgewickelte Internet-Dienste wie etwa elektronisch Warenhäuser. Zunächst sind in den USA drei solcher "Server-Farmen" geplant. Der Invesitionsaufwand liegt pro Server-Farm zwischen 50 bis 100 Millionen US-Dollar. Auch in Europa eruiert Intel bereits potentielle Standorte für Server-Farmen.

Trotz der universellen Anwendung der Intel Erfindung aus dem Jahre 1971 macht sich Dr. Craig Barrett, der im Mai 1998 zum President und Chief Executive Officer ernannt wurde, Gedanken um die Zukunft von Intel. Seine Überlegungen kreisen vor allem um neue Möglichkeiten der PC-Nutzung in Verbindung mit dem globalen Internet. So erwartet er, daß es in wenigen Jahren bereits eine Milliarde vernetzter PCs geben wird.

Stand: September 1999

* Alle erwähnten Marken- und Produktbezeichnungen sind Eigentum der entsprechenden Hersteller.



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