Die meiste Zeit verbringt Johann*, bei dem fortgeschrittenes Alzheimer diagnostiziert wurde, in seinem Lieblings-Stuhl vor dem Fernseher. Nur selten steht er auf, und wenn doch, stürzt er manchmal unvermittelt nieder.
Ein fortschrittliches „Sensoren-Netzwerk“ überwacht stets, wo Johann sich gerade aufhält, ob im Wohnzimmer, im Schlafzimmer oder im Bad. Zudem weiß es jederzeit, ob er steht, sitzt oder liegt. Wenn Johann hinfällt, gibt das System seiner Frau Henriette, die gerade in der Küche das Essen vorbereitet, via Radio oder Fernseher ein optisches oder akustisches Signal. Das System protokolliert Johanns Aktivitäten in einer Datenbank, um seine Verhaltensmuster zu analysieren. Stellt es beispielsweise fest, dass er häufiger fällt, kann es dies als Indikator für eine Verschlechterung seines Zustands werten und dem Arzt melden.
An manchen Tagen ist Bettina nicht einmal in der Lage, Routinearbeiten zu erledigen, wie etwa eine Tasse Kaffee zu kochen oder die Wäsche zusammenzulegen. Sie kann sich an diesen Tagen einfach nicht daran erinnern, in welcher Reihenfolge sie die einzelnen Schritte dieser Aufgaben durchführen muss. Dies ist ein weit verbreiteter Indikator für die „mittlere Phase“ des Verfalls der kognitiven Fähigkeiten.
Ein Netzwerk von Sensoren hilft Bettina dabei, den Kaffee zuzubereiten. Indem die Sensoren beobachten, welche Objekte sie in die Hand nimmt und welche Schränke sie öffnet, stellen Sie fest, dass Bettina Schwierigkeiten hat. Über ein Audio-Gerät mit Sprachausgabe, nimmt das System Kontakt zu ihr auf und erkundigt sich, ob sie Hilfe benötigt. Bettina antwortet mit „Ja“ und bekommt auf einem Flachbildschirm visuelle und gesprochene Hinweise, die sie Schritt-für-Schritt anleiten.
Diese Szenarien sind keine Science Fiction-Fantasien. Sie sind Beispiele für Prototypen von Haushalts-Technologien, die Intels Forscher gemeinsam mit Universitäten entwickeln, um die sehr realen Bedürfnisse der zunehmend älter werdenden Weltbevölkerung befriedigen zu können. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leiden derzeit eine Million Deutsche an dieser Krankheit. Mit dem Anwachsen älterer Bevölkerungsgruppen wird sich diese Zahl bis 2050 verdoppelt haben . Die oben beschriebenen Technologie-Studien wurden entwickelt, um an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz erkrankten Menschen mehr Sicherheit und Unabhängigkeit zu geben und ihnen so ein Leben in Würde zu ermöglichen. Pflegekräfte und pflegenden Familienangehörige, die normalerweise stark unter den Belastungen durch die aufreibende Rund-um-die-Uhr-Betreuung ihrer Patienten leiden, könnten durch die neuen Technologien mehr Selbstsicherheit und Ruhe erlangen.
* Teilnehmer an einer Studie, die von Intels Proactive Health-Forscherteam durchgeführt wurde. Die Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Aus Erfahrungen lernen
Obwohl Intel in erster Linie als Hersteller von Hochleistungsprozessoren bekannt ist, von denen die schnellsten PCs der Welt angetrieben werden, erforscht die Firma seit vielen Jahren ebenfalls die „menschliche“ Seite der Technik. Seit Anfang 2002 arbeiten Intels Forscher an Technologien, mit deren Hilfe Menschen die an Demenz, Krebs oder Herzkrankheiten leiden ein besseres Leben führen können. In Zeiten zunehmender Überalterung der Bevölkerung ist dies eines der wichtigsten Forschungsgebiete. Trotzdem ist dieses Projekt nur eines von vielen bahnbrechenden Forschungsprojekten, die von Intels „People and Practices“-Forschungsinstitut durchgeführt werden. Das Institut selbst ist ein Teil der Intel-Forschungseinrichtungen, die in Portland, im US-Bundesstaat Oregon, angesiedelt sind. Die Aufgabe der dort tätigen Soziologen, Psychologen, Designer und Ingenieure ist es, zu beobachten wie Menschen leben und arbeiten. Basierend auf diesen Beobachtungen entwickeln sie Computer-Technologien und Anwendungen, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen und ihr Leben erleichtern.
Das Potenzial „fühlender“ Technologie
Indem sie Patienten, Pfleger und Familienangehörige in ihrer häuslichen Umgebung beobachteten und befragten, konnten die Mitarbeiter des Proactive Health-Forscherteams enorm vielfältiges Datenmaterial zusammentragen. Die Auswertung dieser Daten ermöglichte es abzuleiten, in welchen Bereichen des täglichen Lebens Alzheimer-Patienten und -Betreuer dringend Hilfe benötigen. Viele der so gefundenen Erkenntnisse sind in der Studie „Living with Dementia“ dokumentiert. Die Grundlage bildet eine ethnografische Untersuchung an 50 US-Haushalten. Diese Studie ist ein erster Schritt auf dem Weg herauszufinden, wie Technologie Demenzkranke am besten unterstützen kann. Jetzt beginnt das Forscherteam mit der zweiten Phase der Studie, in der die gewonnenen Erfahrungen in funktionierende Prototypen umgesetzt werden, die auf Intels Kenntnissen der Computertechnik basieren.
Gemeinsam mit Wissenschaftlern verschiedener Universitäten entwickelt Intel Netzwerke, die aus tausenden Sensoren bestehen, die beispielsweise in Schuhen, Möbeln oder Haushaltsgeräten eingebaut sind. Diese Sensoren tauschen drahtlos mit bereits existierenden Geräten wie Heim-PCs, Fernsehern, und elektronischen Organizern (PDAs) Daten aus, die dabei helfen können Verhaltensänderungen frühzeitig zu erkennen. Zu den wichtigsten Komponenten, die Forscher einsetzen, gehören Bewegungs- und Druck-Sensoren mit Mikro-Sendern auf Basis der drahtlosen RFID-Technik (Radio Frequency Identification). Zusätzlich verwenden sie spezielle Infrarot-Aufkleber und 3D-Stereo-Kameras, um Bewegungen und Lageänderungen der Patienten festzustellen. Die Kombination dieser Technologien ermöglicht es den Forschungs-Teams, intelligente Netzwerke zu bauen, die bald in den Häusern ausgewählter Patienten und Betreuer getestet werden können.
Intels Proactive Health-Forschungsprojekt wird gemeinsam mit Wissenschaftlern von Universitäten, industriellen Entwicklungs-Laboratorien und staatlichen Einrichtungen durchgeführt. Das Ziel ist es, herauszufinden wie Technologie genutzt werden kann, um die Entwicklung der Alzheimer Krankheit zu verzögern sowie die Lebensqualität und Unabhängigkeit der Erkrankten zu verbessern. Weitergehende Information zu diesem Forschungsprojekt können unter www.intel.com/research/prohealth abgerufen werden.
KASTEN: Zahlen & Fakten
Während der nächsten Dekade wird der Anteil der über 65-jährigen an der Welt-Bevölkerung dramatisch ansteigen. Diese Entwicklung macht es notwendig, neue Paradigmen der Gesundheitsvorsorge zu finden. Viele Experten sehen in den nächsten Jahren eine Krise bei der medizinischen Betreuung älterer Menschen auf uns zukommen, wenn wir nicht neue Herangehensweisen finden, um der „Boom-Generation“ die medizinische zu gewährleisten, die sie benötigt.
Die Welt wird älter
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Alle sieben Sekunden wird ein Angehöriger des Baby-Booms 50 Jahre alt.2
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Die Vergreisung der Bevölkerung wird sich nach 2010 noch weiter beschleunigen, wenn die Nachkriegs-Generation mit 65 Jahren das Rentenalter erreicht.3
Die Alzheimer-Krankheit
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Jeder zehnte Mensch über 65 und fast die Hälfte derer über 85 leiden an der Alzheimer Krankheit.
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Bis 2010 wird sich jeder dritte US-Haushalt um einen Menschen mit Wahrnehmungsproblemen kümmern müssen, die Situation in Europa ist vergleichbar.
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Allein in den USA verursacht die Alzheimer Krankheit, die am weitesten verbreitete Störung des kognitiven Bewusstseins, jährlich Kosten in Höhe von 61 Milliarden US-Dollar durch Produktionsausfälle und medizinische Behandlungen.4
1 Bickel, H., Demenzen im höheren Lebensalter: Schätzungen des Vorkommens und der Versorgungskosten. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 34: 108-115, 2001
2 Center For Aging Services Technologies (CAST), 2002
3 Center For Aging Services Technologies (CAST), 2002
4 National Endowment for Financial Education (NEFE) annual report 2001